Bilderserie, Papa-Blog
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Wochenende in Bildern: Montagsfeeling im Wedding #41

Wochenende in Bildern - Schillerpark

Wenn sich der Freitag anfühlt, als sei schon wieder Montag. Wenn Fahrrad und Drucker zeitgleich die Grätsche machen und man viel lieber stattdessen in Hannover wäre – ausgerechnet Hannover! Und wenn das Kind am Sonntag sich übergibt, ja, dann ist es mal wieder Zeit, bei selbst gemachtem Seitan und einem gut gekühlten „Wochenende in Bildern“ zu entspannen. Prost!

Wochenende in Bildern: Freitag

Wäre heute Montag, ich wäre gefestigt und auf die Ereignisse des Tages gefasst. Ein kleiner Fels in Brandenburg. Leider ist heute aber gar nicht Montag, sondern der Kalender zeigt Freitag. Ich rede mir ein, dass der Freitag auch nichts anderes sei, als der Montag des Wochenendes. Niemand mag Montage. Oder Freitage. Ich gebe zu, so ganz kann ich meiner eigenen Logik noch nicht folgen. Aber der Reihe nach:

 

Ticket CeBIT, Wochenende in Bildern

Mein frisch erstandenes Rock-the-Blog-Ticket (CeBIT) muss leider wider verfallen, weil mich meine IT-Mitfahrgelegenheit nicht nur im sprichwörtlichen Regen stehen lässt. In meinem Unmut wird mir schlagartig klar: wahrscheinlich wird das wirklich der einzige Moment in meinem Leben sein, in dem ich tatsächlich wünschte, ich wäre jetzt in Hannover. Was soll bloß noch aus mir werden? Sorry, Du Hauptstadt des Nirgendwo. Bleibt die Hoffnung, dass andere für mich in Halle 8 mitrocken!

 

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In dieser, nennen wir es mal, angezerrten Stimmung in den eigenen vier Wänden macht mein Drucker die Grätsche. Das ist umgangssprachlich für „über den Jordan gehen“. Ich versuche entgegen meiner Überzeugung noch zu retten, was zu retten ist – aber vergeblich. Für den Patienten Herrn Druckkopf kommt mal wieder jede Hilfe zu spät. Na gut, dann schreibe ich meine 500 Seiten im Monat eben handschriftlich statt sie auszudrucken. Das ging früher ja auch nicht anders. Ob früher wirklich alles besser war, frage ich mich spontan.. ich sollte wahrscheinlich mal wieder mit meinen Großeltern telefonieren.

 

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Aller guten Dinge sind natürlich drei. Auf dem Rückweg von irgendwo in Berlin stelle ich fest: mein Fahrrad ist platt. Genau genommen das Hinterrad. Wie eigentlich jeden Monat. Fast könnte man meinen, die Fahrradwerkstatt meines nicht mehr ganz so unerschütterlichen Vertrauens dreht da mit Absicht immer einen kleinen Nagel in die Mäntel. Anders lassen sich die meterlangen Schnitte im Mantel einfach nicht mehr erklären.

Dieses Mal lege ich selbst Hand an, schwöre mir aber: das nächste Mal, wenn mich das Fahrrad auf dem Weg nach Mitte noch eimal im Stich lassen sollte, dann schmeiß ich es durch das nächstbeste CaféBar-Panoromafenster. Bevorzugt irgendwo im Romantikviertel.

Wochenende in Bildern: Samstag

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Der Freitag geht, der Samstag kommt. Die Sonne scheint und ich reibe mir verwundert die Augen. Vielleicht reibe ich mir auch die Augen, weil die Nacht mal wieder viel zu kurz war. Oder ich mir aus Versehen Frischkäse ins Auge geschmiert habe – also genau genommen, meine Tochter. Eine lange Geschichte. Alle Augen und Hände sauber gemacht, geht’s auf zum Schillerpark. Und wenn mir der Weg zum Park zu weit ist, dann fahre ich einfach mit dem Wagen vor. Alles wie immer hier im Wedding. Die Blumen müssen übrigens so.

 

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Nachdem ich mit meiner Tochter den Schillerpark betrete, weiß ich spontan wieder, warum wir so lange nicht mehr gemeinsam dort gewesen sind. In den ersten Lebenswochen hasste meine Tochter diesen Park – und jetzt verstehe ich wieder, warum.

„Papa hause“ befiehlt das heutige Buggy-Kind sodenn auch schon nach wenigen Minuten. Der Aufenthalt in dieser offenen Parkanstalt droht abrupt zu enden – dann schläft meine Tochter ein. Ich bin gefangen. Haben sie mal versucht, mit einem schlafenden Kind an einer vierspurigen Straße entlang zu laufen – ohne Krankenwagengeheul, Teenagergebrüll oder Aggrohupen? Oder wie meine Tochter es nennt: Tatu, Lärm und Tuut? Der Weg nach Hause ist also versperrt.

Ich suche Ruhe. Hinter den Hecken am Eingang sehe ich eine freie Bank. Nur ein Mann mit Cap und weißen Zottelbart zu sehen. Er leert seine Bierdosen. Das füllt ihn aus. Mit Menschen scheint er nur wenig im Sinn zu haben. Das passt, denke ich bei mir und setze mich an den Rand seiner Bank. Er leert noch eine zweite, seiner vielen Dose, bevor er unvermittelt aufsteht und in den Büschen verschwindet.

 

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Viel mehr passiert zu Hause dann auch nicht mehr. Erst, als die Sonne untergeht, wird es noch einmal spannend. Beim nächtlichen Einkauf im Schillercenter lerne ich jemanden kennen. Sie sagt, sie sei eine Königin. Wir laufen gemeinsam nach Hause, doch mit nach oben kommen, das mag sie nicht. Nicht beim ersten Date. Dann geht alles trotzdem ganz schnell – tja, und jetzt ist irgendwie die Luft raus. Naja. Ich habe in der nächsten Zeit wahnsinnig viel zu tun. Ich ruf Dich an, ganz bestimmt. Ich hab ja deine Nummer..

Wochenende in Bildern: Sonntag

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Kennen Sie das Gefühl, wenn man sonntags bei Sonnenschein aufwacht und das Kind gesund und gut gelaunt ist? Ich auch nicht. Nach einer unruhigen Nacht ist am Morgen allen klar: das Kind ist krank. Zweimal im Bett übergeben, einmal in der Küche. Mehr muss man auch nicht wissen. Die nächste Woche fängt also genauso an wie letzte Woche schon angefangen hat. Aus’m Wedding wird mal wieder ein Krankenlager.

 

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Es gibt Menschen, die behaupten, so ein „Wochenende in Bildern“ zöge Stalker an. Andere sagen, diese wochenendlichen Schnappschüsse wären unrealistisch und setzten Familien und Eltern unverhältnismäßig unter Druck. Um diesen Menschen hier und jetzt zu zeigen, dass ich mir der normativen Kraft dieser Bilderreihe durchaus bewusst bin, widme ich euch dieses Bild: Chemie-Cheddarkäse an Wegwerf-American-Toast. Noch Fragen?

 

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Zum Abendessen gibt es Papas selbstgemachten Seitan. Das verbraucht zwar so einige, zusätzliche Liter Wasser. Wer aber gestern brav bei der Earth Hour mitgemacht hat, sollte ja heute wieder ganz beruhigt ein reines Gewissen diesbezüglich haben. Seitan selbstmachen ist wirklich einfach. 205 Gramm Mehl ergeben mit 130 Milliliter Wasser und etwas Handarbeit ganze 93 Gramm Seitan-Rohmasse.

 

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Durch das Vorbereiten verpasse ich fast die Ziehung der glücklichen GewinnerInnen meiner „kleinen, großen Osterverlosung“. Schnell den Seitan in den Topf zum Köcheln geworfen, alle Namen, Herzen und Wünsche notiert und auf zu Commander random.org. Der erwartet mich schon ungeduldig auf seiner Brücke. Ein Hauch von Lottofee weht durch den Wedding, während ich die ausgelosten Nummern mit der Excel-Tabelle abgleiche. Morgen kommt dann die große Verkündung. Diejenigen, die mitgemacht haben, werden sich also noch einen Moment gedulden müssen. Das Leben ist hart. Aber auch süß. Wie ein Kinder-Antibiotikum.

Also, in diesem Sinne.

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