Bilderserie, Papa-Blog
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Wochenende in Bildern: Familienfeeling im Wedding #18

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Der gelbe Herbst ist nun auch im Wedding angekommen. Grund genug also, noch einmal alle Übergangsjacken überzuwerfen, die Rohre durchzupusten und so viel Sonne wie möglich in den Rucksack zu packen. Ansonsten stand ich so in Warteschlangen herum, wühlte in fremden Kleidungsstücken herum und habe mal wieder viel zu wenig Chilipommes gegessen. Meine dieswöchigen Notizen zum „Wochenende in Bildern“, Zombie-Apokalypsen-Moment inklusive. Viel Spaß.

Wochenende in Bildern: Der sonnige Samstag

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Die Nacht ist früh vorbei und wenn man meine Augenringe befragt, dann hatte sie wohl noch gar nicht so recht begonnen. Ich war nicht spät im Bett, sondern wurde von Tochter alle Jubelstunden aus dem Schlaf geholt. Nach kurzer Halbwach-Expedition durch die Wohnung, gehen wir wieder zurück ins Bett. Sie möchte wohl eine Geschichte vorgelesen bekommen. Sofern ich ihre unkontrollierten Armbewegungen richtig deute. Entweder das oder sie will an mein Gehirn. Dass sie sich morgens um halb acht aber ausgerechnet „Alle Tiere müssen schlafen“ zum Vorlesen aussucht, das lege ich ihr sehr wohlwollend aus. Sie ist kein Tochterzombie, sondern hat durchaus humoristische Anlagen.. wenn auch auf meine Kosten.

 

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Später zieht es die beiden Schläfertiere namens Papa und Tochter raus in die Sonne. Auf dem Spielplatz hatten wir die Temperaturen schon einmal angetestet, aber dieses Mal soll es lieber ins Grüne der Rehberge gehen. Sagte ich „grün“? Nun, in Berlin ist es entweder grün oder kahl. Das, was manche Menschen als Herbst mißverstehen, ist in Berlin in Wirklichkeit schlicht und einfach: Gelb. Das muss reichen. Und genau das gucken wir zwei uns an. Toll. Passt ja auch so schön zum blau, ist ja schließlich auch dessen Komplementärkontrast. – Was bitte? – Na sieht geil aus! – Na dann sagt das doch.. Auf dem Bild wirkt es dennoch recht grün. Ach, auf nichts kann man sich heutzutage noch verlassen. Nicht mal auf’s Wetter.

 

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Während tausende Menschen am Brandenburger Tor gegen etwas protestieren, das sie eventuell nicht verstehen, werden im Wedding alte Kleidungsstücke vertauscht bzw. das 10 jährige Bestehen einer Imbißbude gefeiert. Das nenne ich mal unaufgeregt. Offiziell darf sich das „Curry & Chilli“ an Osloer Straße Ecke Prinzenallee sogar den schärfsten Imbiß Deutschlands nennen. Und heute verschleudert der Preisträger alles für 1 Euro. Ich bestelle erst einmal ganz konservativ vier Portionen Pommes mit Hotchilimayo. Ach, es gibt ja nichts, was Chilipommes oder Chilimayo nicht richten könnten. Später ärgere ich mich, dass ich kein Tombola-Los gekauft habe, denn die Preise waren zahlreich und fair und der Hauptgewinn ein Flachbildfernseher. Ich überlege, mir eine bis vier weitere Portionen Chilipommes zu holen. Zwar bleibt die Warteschlange dank der Nähe zu den Tram-Gleisen recht konstant lang, und erst jetzt kommt mir das merkwürdig vor, aber nochmal 30 Minuten anstehen, um mir vier oder fünf weitere Impuls-Schalen Chilipommes zu holen? Ich breche mein Ansinnen ab.

 

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Kurz gesagt, viele Spaziergänge und Sonnenstrahlen später so neigt sich der Tag im Wedding so langsam den dunklen Stunden zu und viel mehr passiert denn auch nicht mehr. Außer vielleicht das Taschenlampenkonzert im Freiluftkino, aber das ist mir etwas zu spät. Das Wetter lud ohnehin schon großzügig dazu ein, einfach mal draußen zu bleiben. Das passte mir schon enorm gut ins Hemd, denn die Nachbarn ziehen ihre Dielen ab. Ach, einmal nur so unbekümmert sein wie jemand Zugezogenes. Dielen abziehen. Oder wie ich es nenne: Der Sound der Aufwertung. Jetzt also auch hier..

 

Wochenende in Bildern: Sonntag

 

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Ich erwache. Nicht so elegant wie ein Leuchtturm, sondern mehr so wie der leckgelaufene Außenborder im Betrunkenendock. Von der Freundin keine Spur, von der Tochter nichts zu hören. Ach, die sitzen bestimmt beide in der Badewanne und warten dort auf mich. Das ist ja süß, aber schließlich ist Sonntag ja auch der gesetzlich anerkannte Familienbadetag.

Ich reiße mir die letzte Klamotte vom Körper, schnappe mir noch ein Handtuch und setze zum Sprung ins warme Nass. Ich halte ein. Stille. Im Badewannen-Wadi herrscht Trockenzeit. Das lockt ganz überraschend auch andere wilde Gestalten aus dem Wohnungsdickicht hervor. Die Katze reibt sich wunderlich die Augen. Kein quietschender Zweibeiner, der ihr ans Fell will. Nur noch ich. Wir sind allein. Ich tauche mein Gesicht in kaltes, klares Wasser und ermahne den Teddybären auf meinem Arm zum richtigen Zähneputzen.

Die Entrückung? Die Apokalypse? Oder war’s bloß der heimliche Gang zum Bäcker?

 

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Nach einigen Mohnbrötchenhälften kann der Tag beginnen. Bei uns im Wedding gibt es sonntags leider fast gar keine echten Trödelmärkte mehr. Das muss jetzt also auch Reinickendorf besorgen und irgendwann treffen wir uns wahrscheinlich sowieso alle im Nachbarbezirk wieder. Da kann es nicht schaden, sich schon einmal ortskundig zu machen. Wir machen uns auf in die nah gelegene Parkstraße, denn dort gibt es gleich drei dieser Schnäppchenparadiese auf Tapeziertischen. Fliegende Händler und gewaltförmige Ausschreitungen übrigens inklusive.

 

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Unsere Beute: Für mich gibt es den Elternscherzklassiker „Gute Nacht, Gorilla“, immerhin laut Sticker auch von irgendwelchen anderen Eltern empfohlen, und meiner Tochter sind einige leicht verschroben-kitschige Vogelbilder ins Auge gefallen. Oder war es umgekehrt, ich weiß es nicht mehr. Womit der Koffer oder der blaue Müllsack gefüllt war, der uns seit dem Besuch auf dem Flohmarkt folgt, weiß ich nicht. Ich frage auch nicht. Ich tippe aber entweder auf die im Krieg verschollene Urgroßmutter oder einen Haufen alter Klamotten.

 

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Zur Entspannung noch ein wenig Sonne im Schillerpark in den Rucksack gepackt, bevor es dann endlich wieder nach Hause zu Kartoffelsuppe und Fussball geht. Oh und zur Katze natürlich.

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