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Vorsätze für das neue Jahr?

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Ist es eine hungrige Horde Wildschweine, sind es tollwütige Seehunde oder die in freier Wildbahn wirklich selten gewordene Keuch-Schildkröte? Man kann es nicht anders sagen, aber es ächzt und stöhnt deutlich lauter als sonst, wenn meine Tochter und ich dieser Tage im Park spazieren gehen. Sie walken, sie traben, sie halten sich an Bäumen fest. Nein, keine Monster, die man nach Mitternacht nicht füttern darf. Nein, Menschen. Und zwar genau die Art mit den guten Vorsätzen. Die, die sich im Januar die Seele aus der Lunge kläffen. Ich selbst muss ja gestehen: ich halte nichts von guten Vorsätzen – weil ich mich sowieso nicht dran halten kann.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Härte Menschen in teilweise äußerst fragwürdiger Funktionskleidung von jetzt auf gleich ihre guten Vorsätze aus der Silvesternacht gegen sich selbst einfordern. Manche Hose sitzt sogar so eng, dass man besser keinen gezielteren Blick darauf werfen sollte. Nutzt aber nichts, denn die guten Vorsätze übersehen solcherlei Warnsignale gern einmal. Auch dann, wenn kleine Schritte hier in jedweder Hinsicht sicherlich sinnvoller wären. Auch mal so als Hose betrachtet.

Ich selbst nehme jedenfalls schon länger keine guten Vorsätze aus den alten Jahren mit in die neuen. Und auch keine Jogginghosen. Oder Masterpläne. Ich lebe im Hier und Jetzt und zwar ohne „in einem Jahr ‚dies‘, in fünf Jahren ‚das'“. Soll doch jemand anders die Weltherrschaft an sich reißen. Warum sich aber immer nur an Silvester oder Neujahr orientieren?

Gute Vorsätze an einem anderen Neujahr vielleicht?

Der erste Januar unseres Kalender ist der erste Tag eines manchmal sehr kalten Monats. Mal ist es ein Montag, mal ist’s eben ein Freitag. Aber immer ist ein Tag wie jeder andere. Von den Kopfschmerzen einmal ganz abgesehen.

Wenn ich mich im Park so umschaue, dann muss ich erkennen, dass Silvester und Neujahr nicht für jeden ein geeigneter Zeitpunkt für gute Vorsätze zu sein scheint. Warum sucht man sich nicht einfach einen anderen willkürlichen Termin für den guten Vorsatz aus? Warum tue ich das nicht einfach am, sagen wir, 21. März? Immerhin der Neujahrstag bei den Bahai und gleichzeitig Wintersonnenwende. Oder wie wäre es mit dem islamischen Neujahrstag? Der fällt in diesem Jahr auf den 02. Oktober. Und nur einen Tag später beginnt mit ‚Rosh Hashanah‘ schon das jüdische Neujahr.

Meine guten Vorsätze?

Und ich? Ich bin der Meinung, man sollte ehrlich zu sich selbst sein. Manchmal wenigstens. Ich kann mich an meine eigenen Vorsätze jedenfalls nicht halten. Schon gar nicht an Silvester. Mehr Sport treiben? Nach spätestens drei Monaten ist damit Schluss. Und die restlichen neun Monate habe ich dann einen Mitgliedsausweis von irgendeinem Discount-Fitnessclub in der Tasche, den ich spätestens ab März sowieso nie wieder aufsuche. Jedes Mal aber, wenn ich meine Geldbörse öffne, klagt sie mich an, diese Mitgliedskarte.

Tut mir leid, ihr lieben Vorsätze. Vielleicht wird’s ja was mit uns im nächsten Jahr – oder Jahrzehnt oder Jahrhundert. Ich bin ein Freund kleiner Schritte, halte nichts von deadlines und auch sonst ist der Neujahrstag für mich eher ein ruhiger Tag, als denn ein Tag für spektakuläre Neuanfänge.

Liebe Neujahrsvorsätze, Deine hehren Ziele weiß ich zu schätzen, tut mir aber nur einen Gefallen:

kauft euch bitte bitte neue Jogginghosen, bevor ihr den Park damit überfallt.

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