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Vier Dinge, die mich die Serie „Love“ gelehrt hat

Netflix Serie Love

Während mich die aktuelle Staffel „The Walking Dead“ an manchen Abenden sehr unausgeglichen zurücklässt und die wöchentlichen Folgen der zweiten Staffel „Better Call Saul“ viel zu schnell vorbeirauschen, ist mein schlafloses Streamen nun auf der von Netflix produzierten Serie „Love“ hängen geblieben. Als Elternteil vergisst man ja, wie das so ist, wenn man auf Dates geht. Und was gelernt habe ich obendrein auch noch. Eine spoilerfreie Betrachtung.

Netflix Love Series

Netflix Love Series

Boy meets girl – mit Käse überbacken

Zwei neurotische Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten treffen aufeinander – und dann passiert etwas Magisches. Oder doch nicht? So oder so ähnlich könnte eine Meta-Beschreibung der Netflix Serie „Love“ lauten.

Die 12teilige Serie nähert sich dem romantischen Thema im traditionellen „Boy meets girl“-Charme. Er ein Nerd, sie die ungekrönte Königin der peinlichen Momente – und ein ‚addict‘ obendrein. Er fährt ein Hybridwagen, sie den alten Benz. Mickey (bekannt aus „Community“) trifft Gus (Autor der Serie). Gus bezahlt Mickeys Kaffee.. und Zigaretten.. und zum Dank gibt’s Muffins – mit Käse überbacken.

Nerds sind keine Loser

Zugegeben, beide Charakter sind in ihren Rollen deutlich überzeichnet. Man muss kein Nerd sein, um schüchtern zu sein. Man muss auch keine so gennante Königin der Peinlichkeiten sein, um fortwährend in merkwürdige Situationen mit dem Ex oder dem Vorgesetzten zu geraten.

Im ersten Moment wundere ich mich: Sind Nerds seit der 200. Staffel TBBT nicht ohnehin bis zum Andreasgraben und zurück komplett ausgereizt? Ich muss ja gestehen, dass ich nie verstanden habe, wie eine konservativ konstruierte Sitcom mit 1960er Set und eingespielten Al-Bundy-Lachern so erfolgreich sein kann?

Wenn der Erfolg von Zombie-Serien darauf zurückzuführen ist, dass sie ein ganz bestimmtes Generationsgefühl, nämlich das des Passiven und Hilflosen widerspiegeln, beruht der Erfolg von Nerds im Serien-Genre darauf, dass sie für sozial akzeptiertes Anderssein stehen? Ist in der Marktwirtschaft nicht jeder dazu gezwungen, sich ein gewisses Expertenwissen, also Nerdtum geradezu anzueignen? Ich drehe mich im Kreis.

Ganz normal, ganz unverständlich

So fällt es mir mitunter schwer, mit einem der beiden Charakter auf gemeinsamen Fuss zu kommen. Der nerdige Gus könnte mir kaum ferner liegen, als ich damit beginne, mit der grasrauchenden, peinlichen und lauten Mickey zu sympathisieren. Spätestens aber bei der finalen Krise bereue ich diese Sympathie und möchte mir eigentlich nur noch die Hände vor’s Gesicht halten. Arme Bertie!

Und vielleicht ist genau das die Stärke der Serie. Es ist nicht nur der gute Soundtrack oder die Tatsache, dass Steve Buscemi, his highness himself manchmal Regie führt, sondern, dass Menschen sich hier eben nicht wie sonst TV-Hochglanz-genormt in perfekten Paaren zusammenfinden. Es ist komplizierter als das. Und manchmal ist es für den Außenstehenden auch einfach nicht mehr nachvollziehbar. So ist das eben mit den Gefühlen.

Bei Bedarf hätte ich selbst sicher auch mehr als hundert Beispiele aus meiner eigenen Vergangenheit aufzubieten. Während ich mir meiner Sache manchmal sicher war, sahen meine Freunde, wie die Titanic langsam und schmerzvoll unterging. Ich aber habe den Film Titanic im Kino gesehen und.. nun ja, dennoch nichts daraus gelernt. Ich war wohl noch zu jung.

Fazit

„Love“ ist für Dich da, wenn Dich andere Serien im Stich lassen. Leichtgängige Unterhaltung in „Narf-Litos Way“, die sich selbst, die Liebe und die Welt der Serienproduktion nicht allzu ernst nimmt. In besten Momenten persifliert sie sich selbst, aber das ist mir erst im Nachhinein deutlich aufgefallen. Ob es Zufall ist, dass der männliche Hauptdarsteller auf dem Set einer vor Klischees triefenden Wicka-Serie namens „Wichita'“ arbeitet? Wahrscheinlich nicht.. wenn das mal nicht ganz schön Meta ist.

Zum Schluss: Vier Dinge, die mich die Netflix Serie „Love“ gelehrt hat

Bei allen Fragezeichen, gibt es neben der Musik doch noch so einiges, was ich aus der Serie durchaus gelernt habe. Vier dieser im übrigen absolut spoilerfreien Erkenntnisse seht ihr unten. Seid gewarnt!

Netflix Love

Netflix Love

1. Manchmal ist das bessere erste Date das, bei dem man Filme aus dem fahrenden Auto wirft – anstatt sie gemeinsam zu schauen. Und bei den aktuellen Kino-Preisen ist es wahrscheinlich auch das billigere..

 

Netflix Love

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2. Wenn Dein Sohn mit dem Eels-Sänger Party macht, dann ist er leider cooler als Du. Lehn Dich zurück, ruf ihn nicht an und lass es einfach passieren – bleib wenigstens einmal cool.

 

Netflix Love

Netflix Love

3. Sorry, aber eine Party, auf der sich niemand von einem Dach in den Pool stürzt, kann ich nicht ernst nehmen. Ich nenne es: das „Almost famous“-Syndrom.

 

Netflix Love

Netflix Love

4. Typen erkennen den Unterschied zwischen Lachen, Montag und sagen wir mal, bösen Unterschenkelkrampf nicht. Niemals. Nein.. vergiss es.

2 Kommentare

  1. Hey, es ist schwer vorstellbar, aber es gibt auch Eltern, die manchmal Dates haben. Ich fand „Love“ genau deshalb sehr schön. Weil es darum geht, dass auch Leute über 30 noch (schräge) Dates haben, unsicher und irgendwie auf der Suche sein können und auch nicht alles darauf ausgerichtet sein muss, das möglichst bald zu ändern…

    • Oh, ich kenne einige Eltern, die auf dates gehen. Ich kenne auch viele Eltern, die das nicht mehr tun. Ich war so mit dem generellen Setting beschäftigt, dass mir wirklich entgangen ist, dass die Hauptdarsteller ja tatsächlich keine 20 mehr sind – sondern irgendwie schon tiefer im Leben stehen. Also irgendwie. . Liebe Grüße quer durch die Stadt. :)

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