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„Väter – die neuen Helden“? Nicht schon wieder!

Väter die neuen Helden

Am Montag lief in der WDR-Reihe „Hier und heute“ der erste Teil der Reportage „Väter – die neuen Helden“. Zwei Väter in spe sowie drei weitere Väter bewegen sich in ihrem natürlichen Habitat und zeichnen das Bild eines modernen Vaters. So weit die story line. Im Bezug auf so genannte „väterbewusste“ Personalpolitik teilweise vielleicht etwas zu unkritisch, vermittelt das Gezeigte doch ein hohes Maß an Authentizität. Eine Frage kann mir die Männerrunde aber dennoch nicht beantworten: warum müssen Väter immer und immer Helden sein? Das nervt!

„Vater werden“ lautet der prägnante Titel der zweiteiligen Reportage über vier (bis fünf) Väter und solche, die es erst noch werden (wollen). Vis-à-vis stellt man sie im ersten Teil gegenüber und zeichnet so ein erstaunlich ehrliches wie weit gefasstes Bild von dem, was einen modernen Vater ausmachen kann. Ich nehme es vorweg, wenn ich sage: ihnen allen ist der Wille zur Teilhabe an der Familienarbeit gemein.

Wenn Unternehmensberater von Vätern sprechen

Ausgerechnet ein Unternehmensberater ist’s denn auch, der mit viel heißer Wortluft für die denkwürdigsten Aussagen der knapp 30 Minuten dauernden Vaterschau sorgt. Meine Lieblingsworthülse: Väter wünschen den Kontakt zum Kind „vor, während und nach der Geburt!“ Vor: check! Nach: check! Während: was zur Hölle? Man sollte anmerken, dass dieser Unternehmensberater selbst zwei Kinder hat. Ob er aber wirklich bei der Geburt dabei war?

Und natürlich schmettert auch er die Seifenoper der väterbewussten Personalpolitik. Da wird von Männern fabuliert, die durch die Vaterschaft neue Kompetenzen erlernen. Von Männer, die ihrem Arbeitgeber loyal zur Seite stehen, wenn man sie in ihrer Rolle als Vater Ernst nimmt.

Was aber bedeutet „Ernst nehmen“ in diesem Kontext? Ganz einfach. Man bedient sich eines einfachen Tricks. Man rechnet einfach die Monate der Schwangerschaft zu den Monaten des Vaterseins hinzu. Immerhin sei es Männern wichtig, schon vor der Geburt teilzuhaben, sagt der Berater. Man garniert die hehren Worte mit einem freien Tag für die Geburt bzw. den Tag danach und schon steht man als „väterbewusstes“ Unternehmen da.

Ob man dem angestellten Vater später dann mehr als die zwei Monate Elternzeit gewähren wird, das wird nicht erwähnt. Man spricht von „den Wochen nach der Geburt“ – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schade eigentlich, denn an dieser Stelle hätte man mehr darüber erfahren können, wie die Unternehmenskultur häufig gar nicht so offen ist, wie sie sich nach außen hin gibt. Kritisches Nachfragen? Fehlanzeige. Immerhin gibt es später den Home-Office-Tag für den „Supervater“. Na dann.

Übrigens: Der angeblich moderne Vater, der in diesem Kontext für diese väterbewusste Personalpolitik des gezeigten Konzerns als Beispiel angeführt wird, verbringt morgens 45 Minuten mit seiner Tochter. In der Zeit versorgt er sie, zieht sie am Bein, frühstückt mit ihr und bringt sie in die Kita. Man kann zwar darüber streiten, ob es wirklich auf die bloße Stundenzahl, die man mit dem Kind verbringt ankommt, aber sorry, morgendliche Routinen zählen nicht als wertvolle quality time mit dem Kind. Auch an dieser Stelle hätte die Reportage kritischer nachfragen sollen.

Der Vater, ein Held in Wartestellung

Bleiben noch die beiden Väter in spe. Über werdende Väter kann und sollte man ja bekanntlich nicht richten. Zitat:“Ist das ein Schuh oder eine Socke?“ Gleich zwei dieser schützenswerten Spezies werden in der Reportage vorgestellt. Einer, der sich die Hörner bis in die Mittvierziger Jahre erst noch abstossen musste. Ein anderer, der als Mittzwanziger hingegen schon ganz bewusst die Elternbühne betreten möchte – und dabei in die Teilzeitfalle tappen wird.

Dank ihm tauchen wir als Zuschauer in eine Welt ein, die selbst mir als Vater immer verschlossen geblieben ist. Es ist die Welt der Geburtsvorbereitungs- und Elternkurse, die sich ausschließlich und exklusiv an Männer richtet.

Es gibt Stillberatungen für Frauen, warum also nicht Väterkurse für Männer? Das ist doch großartig. Warum man aber einen Geburtsvorbereitungskurs ohne seine schwangere Partnerin machen sollte, das erschließt sich mir nicht.

Es scheint, dass der Drang nach familiärer Teilhabe für viel Unsicherheit auf Seiten der Männer sorgt. Das deute ich aber als ein gutes Zeichen.

„Väter – neuen Helden“? Mein persönliches Fazit

Insgesamt hat die Auswahl der vier (bis fünf) väterlichen Protagonisten Hand und Fuss. Geschickt werden nämlich die üblichen Vaterklippen umschifft. So sieht man zum Beispiel keinen selbst ernannten Super-Vater, der zwei Monate Elternzeit nimmt und sich danach wieder in seine 45h-Woche stürzt, während die Frau gezwungen ist, zu Hause zu bleiben. Andere Formate waren da bislang weit weniger geschickt, siehe 37 Grad „Schlaflos durch’s erste Jahr“.

Eine authentische Reportage über Männer, die sich in ihrer Vaterrolle teils noch suchen, teils aber auch schon gefunden haben. Manchmal etwas hilflos, manchmal ganz naiv, oft aber auch sehr reflektiert. Es ist eben kompliziert. Natürlich ist es aber nur die eine Seite der Medaille. Die Frauen und Mütter kommen nämlich nicht zu Wort.

Es zeigt aber auch, dass Vereinbarkeit nicht nur ein Thema für Mütter, sondern auch für Väter sein kann – auch sein muss. Leider aber geht die Reportage an dieser Stelle etwas zu unkritisch zu Werke und wirkt streckenweise wie ein Werbeclip des gezeigten Unternehmens. Auch dem Unternehmensberater hätte man genauer auf die Worte schauen müssen. Wer nämlich genauer hinhört, der konnte sehr schnell schon dessen verstaubten Ansichten im Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf entlarven. Vielleicht hätte man auch einfach seine Frau vor die Kamera holen und sie über das Thema Vereinbarkeit sprechen lassen sollen?

One more thing:

Ach, warum nur müssen moderne Väter oder sagen wir: Väter, die sich in die Familienarbeit stärker einbringen wollen und diesen Worten Taten folgen lassen, immer und immer und immer wieder als Helden bezeichnet werden?

Ich bin kein Held. Der Vater, der sein Restaurant schließt, um wenigstens ein klein wenig mehr Zeit mit dem Kind zu haben, auch der ist kein Held. Der Vater, der die 45 Minuten am Morgen auf dem Weg zur Arbeit mit fast schlafendem Kind als Vatersein versteht, Nein, auch der ist kein Held. Genauso wenig, wie Mütter, die schnell wieder in den Beruf zurückkehren keine Karrierefrauen oder Rabenmütter sind. Ist das so schwer zu verstehen?

Das Helden-Prädikat ist irreführend, wie es falsch ist. Man will wohl Zuschauer anlocken. Das hat man als WDR scheinbar nötig. Trotz allem Zetern aber sage ich: reinschauen kann man ja mal.


Am 18. Januar folgt dann der zweite Teil der Reportage mit dem Titel „Vater sein“. Als Vater einer bald schon zweijährigen Tochter interessiert mich dieser Teil natürlich besonders. Das „Vater werden“ habe ich ja schon hinter mir – sofern dieser Prozess jemals wird abgeschlossen sein können.

Wer sich sein eigenes Bild von der Reportage machen möchte, klickt einfach hier und schaut.

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