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Sind Väter die besseren Mütter? – Ein Spiegel-Fail

Väter

Die Titelgeschichte der aktuellen Spiegel-Ausgabe lässt aufhorchen: „Sind Väter die besseren Mütter?“ Allein, wer sollte diese Frage vernünftig beantworten? Für den Großteil der Väter, so jedenfalls meine Beobachtung, ist diese Frage gänzlich irrelevant, denn: sie leben ohnehin das Ernährermodell. Der kleinere Teil der Väter, den man manchmal auch ganz gern als „modern“ beschreibt, hat für diese Frage mindestens ebenso wenig Verständnis. Ich möchte aber kritisch anmerken: im Gegensatz zu den sogenannten modernen Vätern existiert so etwas wie in der Titelgeschichte angeführte ‚maternal gatekeeping‘ scheinbar tatsächlich. Das ändert an der väterlichen Selbstherrlichkeit natürlich gar nichts.

Warum engagieren sich Väter so wenig?

„Lasst die Väter ran“ aus dem Munde einer Frau. Doch ob die Väter, die es erreichen soll, auch wirklich erreicht werden, bleibt mehr als fraglich. Väter möchten sich stärker engagieren, so heißt es, doch tun sie es statistisch betrachtet nur äußerst selten. Manchmal stehen dem Wunsch nach mehr Teilhabe berufliche Gründe entgegen und manchmal, ja manchmal sogar die eigene Partnerin – so heißt es. Das Phänomen heißt ‚maternal gatekeeping‘ und besagt in aller Kürze: die Mutter regelt den Zugang zum Kind, auch gegenüber dem Kindsvater.

Viele kritische Stimmen, die sich bisher zum Spiegel-Artikel geäußert haben, lehnen vor allem dieses ‚maternal gatekeeping‘ kategorisch ab und tun dann so, als gäbe es das schlichtweg nicht. Und doch taucht in den aktuellen Familienstudien immer wieder eine nicht zu verachtende Anzahl von Müttern auf, die ihrem Partner die Versorgung des gemeinsamen Kindes schlichtweg nicht zutrauen. Mitunter sind es bis zu 47% der jeweils Befragten. So etwas wie ‚maternal gatekeeping‘ existiert. Alle statistischen Indizien sprechen dafür, auch wenn sie nichts über die Gründe aussagen. Einfache Schwarz-weiß-Malerei hilft in dieser Diskussion also nicht weiter. Tja, und damit ist dieses wichtige, wie unsägliche Thema denn auch schon erschöpft.

Viele Väter lügen sich in die eigene Aktentasche

Die Statistik zeigt nämlich auch, dass diese sogenannten modernen Väter nichts anderes tun, als sich in die eigene Hosentasche zu lügen. Und das ganz unabhängig von ‚matneral gatekeeping‘. Da wird lamentiert, dass man sich gern mehr Zeit für die Familie nehmen würde, der Vorgesetzte aber leider nicht mitspiele. Da wird sich dann umso heftiger auf die Schulter geklopft, weil man ganz aufgeklärt zwei Monate Elternzeit genommen und für eine kurzen Moment Superdad gespielt hat. Da wird am liebsten so getan, als wäre dieses althergebrachte Versorgungsmodell völlig alternativlos in der heutigen Zeit.

In manchem Fällen mag dies durchaus so sein. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich auch, dass es viele andere Modelle gibt, die ihrerseits teilweise sogar viel besser funktionieren. Auch, weil sie die Mutter aus der Abhängigkeit des Partners herausholt.

Mütter würden sich über Unterstützung sicherlich freuen

‚Maternal gatekeeping‘ mag im Einzelfall ebenso Grund dafür sein, warum sich ein Vater weniger um das Kind kümmert, als er eigentlich möchte. Als Generalunterstellung taugt es indes nicht. Es dürfte nur wenige Mütter geben, die sich gegen mehr Unterstützung seitens des Partners verwehren würden. Aber: Wie soll der Vater eine stabile Verbindung bzw. eine routinierte Versorgung des Nachwuchses gewährleisten, wenn er das Kind lediglich zwei bis drei Stunden am Abend zu Gesicht bekommt? Auch diese Frage muss erlaubt sein.

Die Fähigkeit zur Selbstkritik gehört in meinem Verständnis zum modernen Vater dazu, so es ihn denn überhaupt gibt. Statistisch aber sind beinah drei Viertel aller Väter mit sich und ihrer Rolle vollauf zufrieden. Oder verstecken sich die männlichen Kollegen hinter den bekannt männlichen Attributen wie Stärke, Mut und vor allem: hey, totale Coolness?

Kein Applaus für niemanden, Danke

Ich selbst bin Vater einer Tochter. Ich habe mich für das Leben mit ihr und gegen die Vollzeitstelle entschieden. Auch meine Freundin musste einschneidende Entscheidungen für sich und ihr Leben treffen. Applaus hat sie dafür keinen bekommen. Und ich will ihn auch nicht. Starre geschlechtsspezifische Zuschreibungen wie „Mütter trösten, Väter toben“ finden sich in meinen Erfahrungen ebenfalls nicht wieder. Ich bin nicht cool, ich bin nicht stark und ich bin auch nicht mutig.

Bin ich als Vater die bessere Mutter? Jemand, der diese Frage stellt, hat sich mit dem Thema Vatersein nicht sonderlich lang beschäftigt. Dies schlägt sich auch in der inkonsequenten Argumentation des Artikels wieder. Schade. Es spielt nämlich überhaupt gar keine Rolle, ob Vater oder Mutter. Die Verantwortung für das Kind wie für sich selbst ist für beide Elternteile nämlich genau die gleiche. Nur reicht diese Erkenntnis leider nicht für eine Titel-Story.

8 Kommentare

  1. Britta sagt

    Meine Güte, Spiegel! Tz tz tz!
    Ich glaube ja nicht, dass es irgendwas verbessert, wenn man immerzu pauschal vergleicht.
    Am Ende geht es alle gegen alle: Väter gegen Mütter, Voll- gegen Teilzeitarbeit, Krippe gegen Zuhause, …
    Alles hat seine Berechtigung und ganz sicher kann kein Vater ne gute Mutter sein. Es reicht völlig, wenn er ein guter Vater ist. Das ist – wie auch andersrum – doch schon schwer genug.
    Und ich finde auch, dass jeder die Verantwortung in seinem Leben für sein Leben und alles und alle, die darin vorkommen selber trägt. Das berühmte: „Da gehören immer zwei zu!“ ist ja auch ne prima Ausrede, wenn man grad mal wieder kein Bock hat, sich anzustrengen. Dann ist der andere halt auch schuld. Man hätte ja liebend gerne, aber wurde ganz gemein blockiert und ausgebremst. Von wem? Der Mutter natürlich!
    Nee, is klar!
    Aber das am Ende immer die Mutter schuld ist, ist ja auch bekannt. So will es das Gesetz!
    Aber nett vom Spiegel, da mal wieder drau hinzuweisen. Ich geh mich jetzt schämen…

    • Boris R. sagt

      Ich kann den Bericht nur bestätigen. Ich wollte von Anfang an Vater sein, hatte auch dadurch das ich Selbständig bin die Zeit dazu. Eine damalige Partnerin wollte dies nach der Geburt unseres Sohnes nicht, denn Sie wollte endlich „Mutter“ sein und forderte diesen Respekt von ihrem Umfeld und mir, ein ohne das Sie bereit war Aufgaben abzugeben oder zu teilen. Sie wollte unter der vollen Verantwortung leiden und dies immerwieder mitteilen.

      Resultat war die Trennung – meine einzige Möglichkeit meinen Sohn als Vater erleben zu dürfen war die gerichtliche Auseinandersetzung, bis zum OLG und mit unterstützung von Caritas, Skf, Skm, einem Verfahrensbeistand, mussten sich Gerichte und Jugendamt von ihrer bis dahin konserativen Meinung “ Kind gehört immer zur Mutter “ trennen. Wir haben nun gegen den Willen der Mutter ein 50/50 Wechselmodel ( nach Prof. Dr. Sübderhoff) seit dem ist endlich Ruhe eingekehrt, Kindergarten und Umfeld und wir als hochstrittige Eltern können nur berichten wie Positiv dies für ein Kind ist BEIDE Eltern zu haben.

      Das alte Motto “ das Kind gehört zur Mutter“ ist eine der größten und gefährlichsten Grundeinstellungen, die man gegenüber einem Kind haben kann.

      Wer wirklich guten Gewissens ist, sollte beiden Eltern und ja auch den Vätern ihren Raum lassen.

      Und abschließend, möchte ich betonen dass diese immer wieder unangebrachten Statistiken, in denen behauptet wird 90% der Männer kümmern sich nicht nicht stimmt, ich habe viele Väter kennengelernt, die gerne würden aber nicht gelassen werden.
      Die Zeit zeigt aber, dass auch wir Männer aus dem Fehler gelernt haben, unsere Kinder alleine zulassen und dass die in Zukunft weniger so sein wird.
      Daran wird sich der eine oder andere nun gewöhnen müssen.

      Ich möchte auch daran errinnern, dass der Europarat in seiner letzten Abstimmung beschlossen, das die EU Staaten das Wechselmodel bei Trennung als Standardmodell zu verwenden. Warum wohl ? In anderen Ländern hat man dies schon verstanden und so wird dies auch in Deutschland bald endlich dem Kindeswohl entspechen.

      Boris R.

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