Papa-Blog
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Die Trageberatung für Väter

Trageberatung vs. Fahren


Seitdem wir Menschen den Urwald gegen ein Leben in der Steppe eingetauscht haben, heißt es in deutschen Städten heute gerne mal: Menschenkinder sind Traglinge. Manchem Berliner Vater möchte man trotzdem einen vernünftigen Kinderwagen schenken – oder am liebsten gleich eine ausgewachsene Trageberatung.

Wir leben in aufregenden Zeiten. Als moderner Vater hat man heute Transportmöglichkeiten, von denen unsere Vorväter wahrscheinlich nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Vorausgesetzt, sie wären öfter zuhause geblieben, hätten sich mit dem Kind beschäftigt und hätten tagsüber nicht ins Büro oder Bergwerk einfahren müssen.

Die Rede ist von modernen Designer-Kinderwagen, Buggys mit umkehrbaren Sitzen und aktivem Fahrwerk, 500 Kilometer langen Tragetüchern, Wandertragen und ganz besonders natürlich: Tragerucksäcken – auch Kraxen genannt.

Wer Bart trägt, kann auch Kinder tragen

Auch Normalo-Väter ohne „Bachelor of Cool“-Abschluss erfreuen sich heutzutage mehr und mehr des Baby-Tragens. Der Tragerucksack wird modisches Accessoire, das man genau wie den neuhippen Vollbart, Piercing oder Tätowierung sichtbar und bewusst nach außen tragen kann. Mütterliche Rücken und Beckenböden in Berlin, um Berlin und um Berlin herum jubilieren schon – und der Nachwuchs profitiert davon nicht minder.

Ja, ich beglückwünsche jeden einzelnen tragenden Vater, der mir da draußen in der Großstadtsavanne begegnet. Deine Einstellung ist super und sie verdient viel mehr Nachahmer. Das eigene Kind ganz nah bei sich zu tragen, das ist für wahr etwas ganz besonderes. Es stärkt die Bindung zum eigenen Kind und vor allem stärkt es die Bindung zu sich selbst als Vater.

Wer viel Geld ausgibt, der schiebt auch viel

Warum sollte man das Kind überhaupt vor sich her schieben? Etwa, um die absurd hohen Anschaffungskosten eines namhaften Kinderwagens zu rechtfertigen? Mein erstes Auto, ein schicker Mittelklassewagen, gebraucht, hat übrigens nur unwesentlich mehr gekostet, als ein Marken-Kinderwagen im oberen Drittel der Anschaffungsskala.

Dass ein gebrauchtes Auto finanziell in ähnlichen Sphären schwebt, wie ein Kinderwagen, ist für viele Väter in spe ohnehin nur sehr schwer nachzuvollziehen. Manchmal denke ich: Zurecht! Diese drei bis achträdrigen Ungetüme sind oft weder besonders benutzerfreundlich, noch sonderlich stabil. Und oft braucht man den ersten Kinderwagen kaum länger als zwölf Monate.

Vielleicht sind es aber nicht bloß die horrenden Anschaffungskosten. Möglicherweise vermuten manche Männer im Tragen eine Gefährdung ihrer eigenen, über die Jahre schwer erarbeiteten Männlichkeit. Gerade erst an sie gewöhnt, soll man sie schon wieder abgeben und sich plötzlich wieder ganz weich geben?

Eine Trageberatung speziell für Väter

Manchmal sehe ich Väter, deren Einstellung zwar stimmt, die ihren Nachwuchs allerdings im Tragetuch umherschleppen, als wär’s nichts weiter als ein Sack ungekühltes Pastinakenpüree. Da hängt der Körper des Babys entweder irgendwo zwischen Unterhose und Kniekehle oder er wird einfach mit dem Rücken an Papas wohlgeformten Bierbauch gedrückt. Wahrscheinlich fühlt sich das für das Kind an, als wäre es ‚Sonic the hedgehog‘ im Wasserbettanzug.

Es geht eben nicht nur darum, die perfekte Bindung zu beherrschen. Ich sage nur ein magisches Wort: Anhock-Spreizhaltung! Nein, liebe Freunde, das ist keine finnische Skisprung-Variante und auch keine kamasutrische Fehlstellung. Es ist das Ah und Oh des Tragens.

Eine Trageberatung für den Vater, die sich in papagerechter Sprache dem Thema Tragen nähert, das wär’s doch vielleicht. Ganz so in der Art, wie:

  • Regel Nr. 1) „Wenn Du mit dem Hipster-Schnörres den Kindskopf berühren kannst, dann trägst Du es in der richtigen Höhe.“
  • Regel Nr. 2) „Hängen die Beine des Kindes wie Deine Bauchmuskeln schlaff herunter, dann prüfe, ob Du nicht aus Versehen den Kuschelbären statt dem Kind eingepackt hast!“
  • Regel Nr. 3) „Brauchst Du ein Handy oder einen Spiegel, um mit dem Kind Augenkontakt zu halten, frage Dich, was würde Chuck Norris tun? Eben, er würde der Gefahr direkt ins Auge blicken – merkste selber, ne!“
  • Regel Nr. 4) „Beim skaten und radfahren gilt: Ein Kind ist keine Knautschzone! Also runter von dem Höllengefährt!“
  • Regel Nr. 5) „Es ist absolut normal, wenn Du eine Stegverbreiterung brauchst. Das ist jedem von uns schon einmal passiert. Wir werden eben alle nicht jünger.. ist ok.“

Zugegeben, ich selbst bin kein Supervater. Ob im Rucksack oder auf dem Arm, tragen war und ist immer das gewesen, was sich richtig angefühlt hat. Und das war vor allem anfangs erst mal alles, was ich wissen musste. Damit allein ist es aber irgendwann nicht mehr getan. Und dann ist es an der Zeit, einen guten Rat anzunehmen. So von Vater zu Vater.

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