Alle Artikel mit dem Schlagwort: Papa

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Das erste Jahr mit der Vaterrolle

Wie schnell dieses erste Vaterjahr doch an mir vorbei gezogen ist. Fast noch schneller als das Jahr davor, als ich noch Nichtvater war. Nicht ganz so unbemerkt wie sonst vielleicht und vielleicht auch nicht ganz so spurlos, denn: Heute bin ich deutlich müder als jemals am Jahresende zuvor. Oh, all die tollen Momente, in denen ich besser hätte schlafen sollen. Aber wer schläft, der erlebt diese tollen Momente nicht. Ein teuflischer Kreis.

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Reaktionen auf die neue Vaterrolle

Erzähl’ ich vermeintlich alten Bekannten, dass ich Vater geworden sei, sie reagieren stets mit erstaunlich ähnlicher Routine. In ihren Augen werde ich entweder zum Leibhaftigen oder aber der Affe mit der Handgranate. Was wohl als nächstes passiere, das fragen sie sich. Ausgerechnet der ist Vater geworden? Oh, man mag gar nicht hinschauen.

Park

Das Kind beim Namen nennen

Eine alte, leicht abgewandelte Amateurfußballer-Weisheit besagt: nach dem Countdown ist vor dem Countdown. Und vielleicht ist dieser Countdown der wichtigste von allen, denn dieser eine bestimmt die gesamte Zukunft aller Beteiligten und aller bisher Unbeteiligten aller sieben Königreiche. Das Kind braucht einen Namen, auf das es bald regieren könne. Der ausgedehnten Vorbereitung sprich Schwangerschaft geschuldet, nicht zu vergessen der aufdringlichen Verwandtschaft glaubt man sich auf diesen Countdown vorbereitet. So, als ob man jemals wüsste, was von einem als Eltern, als Vater erwartet würde. Als ob Gewißheit nichts weiter wäre, als ein dünnes Winterlaken. Nur eines, das ist klar: the show must go on, und zwar yeah yeah. Das Namens-Orakel Das im Virchow(-Klinikum) das namensverantwortliche Standesamt eine Außenstelle hat, erhöht den Adrenalinspiegel plötzlich und unerwartet deutlich. Was passiert hier? Ich brauche mehr Licht. Und mehr gewürzten Wein. Meine Arbeit hat mich gelehrt: Sobald es auf Papier geschrieben steht, ist es wahr, dann ist es real, dann ist es unumkehrbar. Die Geburt war bereits real. Zumindest bin ich mir dessen sicher, als sie vorbei ist. Und mit …

Theatron

Jedes Familientheater braucht ein schwarzes Schaf

Ein Geständnis: Ich spreche meist nur zögerlich von „Familie“, wenn es um meine eigene geht. Auch im virtuellen Leben ist das nicht anders. Manche sagen Familie, ich nenne sie lieber Verwandtschaft. Und auch dann bleibt sie ein Zitat, und zwar ein sorgsam einstudiertes. Im Grunde denn, und das muss ich eingestehen, bleibt mir ihr Wesen immer auch ein wenig fremd.

Die ersten Verwandtenbesuche

Vor langer Zeit schon wurde der nächsten Verwandtschaft ein Besuch in heimischen Gefilden versprochen. Ehrenworte wurden ausgetauscht und jeder, der The Sopranos kennt weiß, Ehrenworte bricht man nicht. Also haben wir versprochen, das Baby vorzuführen, es posieren zu lassen, wie die neueste Autoklasse. Wäre Verwandtschaft Politik, wir hätten die Sache ausgesessen, die Familie abgewählt, eine Volksbefragung durchgeführt. Sodom und Camorra Familie aber ist Camorra und wir des Babys Appendix. Und den entfernt man besten, wenn er perforiert ist. Und dann wird er an einem geeigneten Platz entsorgt. Nachts in Brandenburg. Wir entscheiden, ein Ehrenwort veredelt man bestenfalls mit Schweigen. Halt Deine Tochter nah, Deine Schwiegermutter näher. Man fragt auch gar nicht nach Distanzen, fragt nicht nach Strapazen. Dass zwischen der Kleenen und ihren mütterlichen Verwandten ca. 700 km liegen. Dass unser Kleinwagen mit gebrochener Feder und alten Bremsklötzen ein Risiko für alle Insassen, darüber hinaus keine zwei Wochen mehr noch straßenzugelassen ist. Dass in den Kofferraum nicht der ganze Kinderwagen, sondern nur ein Untergestell passt. Und sonst kein anderes Gepäck. Nein, das sind Nichtigkeiten, nach …

Engel

Eigene Schlaflieder singen

Seit der zweiten Woche wissen wir, die Kleene ist eine Tanzeule. Sie ist vor allem keine, die sich gerne pucken lässt. Keine, die sich beeindruckt zeigt. Von keinem Sauger und von keiner Flasche. Auch von Großmutters Geheimrezepten nicht. Erzählen und vor allem Bewegen. Klammerblues, Rock’n’Roll, das volle Standard-Programm. Das ist ihr Metier. Die Kleene. Dank blühender Fantasie, dank blanker Überforderung bevorzugt sie den klanglosen Tanz. Gern mit Mama oder Papa in der Führung. So tanzen wir, Center stage, lautlos auf unserem Florteppich.

Von der Impfung in die Rettungsstelle

Erster Impftermin. Katastrophe in weiß. Im Doppelstich. So unausweichlich wie jede Katastrophe. Impftermin der Kleenen. Beim Kinderarzt. Denn gute Eltern will man sein. Eine Popband der Achtziger Jahre lehrte mich: »Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.« Wie voraus schauend damals. Als ich jugendlich war. Nicht bloß innerlich. Auch äußerlich. Als ich die Band zehn Jahre zu spät entdeckte. Mich ärgerte. Über mich selbst. Heute denn deute ich die Erkenntnis neu. Mal wieder. Die erste Umdeutung geschah des Nachts. Vor vielen Jahren schon. Auf dem örtlichen Polizeirevier. Als mir ein Rentner, der kaum Herr seiner Finger war Blut entnahm. Ohne Befund, wie man später befand. Das Bild der zitternden Hand aber blieb. Es blieb lange. Eine Erkenntnis aufgefrischt. Dann steigt das Fieber auf. Stunden nach der Katastrophe nur. Neuerliche Katastrophen bahnen sich an. Ganz plötzlich. Gegenmaßnahmen werden akquiriert, werden eingeschoben. Mission Zäpfchen, Phase 01. Die Kleene taumelt. Ihr Beobachtungsprogramm herunter gefahren, so scheint’s. Vielleicht phasenweise. Dann schläft sie ein. Von ganz allein. Ohne Prüfprozesse oder elterlichen Tanz. Die Kleene. Am Ende der Kräfte. Die gute …