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Papa allein zu Haus – Tag 02

Dienstag. Tag 02 der Reportage „Papa allein zu Haus“. Noch bis Donnerstag Nacht werden Freundin und Tochter auf großer Verwandtensafari im Süden weilen. Ihre Lebenszeichen erreichen mich heute deutlich seltener und das deute ich als gutes Zeichen. Ob sie wohl alle Großen Fünf der Verwandtensafari erlegen werden: Urgroßeltern, Großeltern, Tanten, Onkel und Neffen? Wer in dieser Runde Löwe bzw. Nashorn oder gar Büffel sein wird, das vermag ich nicht zu sagen. Nicht öffentlich. Das darf die kleine Maus an diesem verlängerten Wochenende ganz für sich allein entscheiden. Prequel zu Tag 01 Wie ich mir die Zeit bisher vertrieben habe, das gibt es unter „Papa allein zu Haus – Tag 01“ zur Nachlese. Ein kurzer Nachtrag sei an dieser Stelle erlaubt, bevor es denn weitergeht: Als das Baby samt Mutter für vier Tage entschwinden „wollte“, stellte ich keine Fragen. Ein kurzes Nicken, ein kurzes Seufzen. Hmhm. Das ganze Arsenal männlicher Kommunikation kam zum Einsatz. Ich griff in die Vollen und schöpfte es aus. Die unverstellte Aussicht auf meinen eigenen Haushalt ohne Quengeleien, Spucktücher und Sabberspuren? Darüber …

Von der Impfung in die Rettungsstelle

Erster Impftermin. Katastrophe in weiß. Im Doppelstich. So unausweichlich wie jede Katastrophe. Impftermin der Kleenen. Beim Kinderarzt. Denn gute Eltern will man sein. Eine Popband der Achtziger Jahre lehrte mich: »Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.« Wie voraus schauend damals. Als ich jugendlich war. Nicht bloß innerlich. Auch äußerlich. Als ich die Band zehn Jahre zu spät entdeckte. Mich ärgerte. Über mich selbst. Heute denn deute ich die Erkenntnis neu. Mal wieder. Die erste Umdeutung geschah des Nachts. Vor vielen Jahren schon. Auf dem örtlichen Polizeirevier. Als mir ein Rentner, der kaum Herr seiner Finger war Blut entnahm. Ohne Befund, wie man später befand. Das Bild der zitternden Hand aber blieb. Es blieb lange. Eine Erkenntnis aufgefrischt. Dann steigt das Fieber auf. Stunden nach der Katastrophe nur. Neuerliche Katastrophen bahnen sich an. Ganz plötzlich. Gegenmaßnahmen werden akquiriert, werden eingeschoben. Mission Zäpfchen, Phase 01. Die Kleene taumelt. Ihr Beobachtungsprogramm herunter gefahren, so scheint’s. Vielleicht phasenweise. Dann schläft sie ein. Von ganz allein. Ohne Prüfprozesse oder elterlichen Tanz. Die Kleene. Am Ende der Kräfte. Die gute …

Hilflosigkeit eines Vaters

Als Papa ist man Superman und zwar der echte und nichts weniger. Aber auch die Clownsschuhe streift man sich von Zeit zu Zeit mal über. Die passen natürlich nicht zum Superman-Outfit. Manchmal ist er meine Lieblingsrolle, der Clown. Sich innerhalb sozialer Konventionen unangebracht verhalten. An die Väter, die dieses Potential nicht erkennen: Wenn man nicht der Clown für die Kleene sein kann, zumindest manchmal, wer ist man dann? Der Verkehrssicherheitsbär?

Die ersten drei Monate

Es ist soweit. Mit dem heutigen Tag sind’s zwölf Wochen. Ein volles Quartal. Ich sage mir, Baby-Wochen zähle man besser in Hundejahre. Eine Baby-Woche gleich ein Hundejahr. Ein Hundejahr entsprechend sieben Menschenjahre. Eine Baby-Woche ergäbe sieben Menschenjahre. Eins im Sinn, Moment! Soeben sind 84 Menschenjahre vergangen. Mit ihr. Ein ganzes Leben schon. Ein Blick auf die innere Uhr verrät: das stimmt. Es muss stimmen. Jedes vergangene Leben scheint lang und länger her. Die Legende von Johnny. Mythos Mamabär. Vor 84 Jahren. Ich möcht’s glauben, es scheint real. Heißt das, ich bin nun älter als mein Opa? Sind wir uns zu früh begegnet? Habe ich die Zukunft verändert? Wo ist der Sport-Almanach? Wo hab‘ ich ihn liegen lassen? Und überhaupt. Doc Brown wüßte, was zu tun wär‘. Drei Monate. 84 Jahre. Hundejahre einer Kaiserin. Eine Baby-Woche gleich ein Hundejahr. Eine Baby-Woche sieben Menschenjahre. Ein Baby-Wochentag ein Menschenjahr. Stunden Vaterseins wie andere Jahre erleben. Prüfen, ob das Baby noch atmet. Morgens. Wenn das Baby schläft. Geduldiger wird man vielleicht. Ausgeglichener keinesfalls. Im Gegenteil. Jeder Tag wird Gegenteil-Tag.

Baby-Ratgeber haben Hausverbot

Wenn die Kleene beschlossen hat zu brüllen. Wenn sie sich vom zugeteilten Elternpersonal par tout nicht trösten läßt, dann rede ich mit ihr. Ich erzähle ihr ganz unpädagogisch von den dunklen Seiten. Ich rufe ihr zu, ein Schreibaby sie sei. Unbeeindruckt wie so oft zeigt sie sich dann, bisweilen sogar nonchalant. Sie brüllt mich an. Dann tanzen wir. Im Wohnzimmer. Und manchmal dauert es nur wenige Minuten und sie wechselt vom Brüll-Modus in die Observation. Alles genau beobachten, ganz besonders aber mich: Ob ich Schritte zähle. Ob ich das Zeug zum Beschützer habe. Wie stark die Macht in mir ist. Ich zeige dann manchmal meine Zähne. Ich stampfe mit dem Fuß. Manchmal beruhigt sie das. Und manchmal, nach ca. 45-90 Minuten schläft sie ein. Gedachtes Brustklopfen. Ich sage dann: Klammerblues mit Kind statt Papas Gorilla-Workout. Die Kleene. Anspruchsvoll, aber kein Schreibaby. Hochsensibel und regulationsgestört. All das sagt die Wissenschaft. Dem Kind einen Namen geben, das ist eine Herkules-Aufgabe. Eltern wissen das. Die Wissenschaft scheitert an dieser simplen Übung, wie sie auch an sich selbst scheitert. …

Hechelkurs und Hebamme

Dienstag, 19:00h. Längst ist die Sonne untergegangen. Zeit für den Informationsabend im Virchow-Klinikum. Chefarzt, Stationsleitung, in die Jahre gekommener Laptop mit Power-Point-Präsentation. Allesamt ächzend. Im Publikum eine schwangere Frau. Ganz allein, ganz ohne Partner. Und siehe, auch das überhebliche Mitleid der Komparsen aller Sitzreihen hinter ihr hatte sich eingefunden. Das Ensemble schien komplett, der Hörsaal ausverkauft. Ich blättere in meinem Programm. Erster Aufzug. Seine Exzellenz versichert, 90% der Väter seien bei der Geburt ihres Nachwuchses im Kreißsaal präsent. In der Höhle des Löwen. Uns erschien das aus diffusen Gründen immer unpassend. Ich blättere weiter und warte geduldig auf die Getränkekarte. Unauffällig. Seitdem wir wussten, dass wir das Freilos für die Arena des Elternseins gezogen hatten, war uns beiden klar, dass wir diese wundersame Welt nicht unnötig mit geburtlichen Details belasten wollten. Mythisch und aufregend sollte sie bleiben. Welch guter Plan. In der Theorie. „Ein Sonntagskind“ war in dieser Theorie nicht vorgesehen.