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Rezension: Patricia Cammarata „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“

Patricia Cammarata by Eva Stolz

Patricia Cammarata, vielen durch ihren Blog dasnuf.de schon bekannt, hat endlich ein Buch veröffentlicht: „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“. Hinter diesem vielversprechendem Titel versteckt sich bereits eine kleine, tiefenentspannte Familienanekdote. Diese werde ich aber natürlich nicht und unter gar keinen Umständen hier sofort hinausposaunen. Es lebe die Spannung. Und ganz besonders natürlich die Entspannung. Insbesondere für letzteres ist die Arschbombe, Entschuldigung, gemeint ist natürlich das Buch, besonders geeignet. Cammaratas Buch sagt nämlich nicht:“Lies mich und höre nie wieder auf, bis Du mich zu Ende gelesen hast und oh übrigens, Jon Snow stirbt am Ende, sorry!“ Cammaratas Buch sagt:“Hey, mach’s Dir bequem, schenk nochmal nach, jetzt bin ich ja da und nu lach‘ ihn raus, den ganzen Mist!“

Als Familienarchiv für die wunderbar verrückten Geschichten mit Kind hat die Autorin ihren Blog kürzlich in einem Interview passend genannt. Für ihr 237 Seiten umfassendes Erstlingswerk gilt dies natürlich umso mehr, denn schließlich besteht es aus einem Sammelsurium ihrer schönsten und skurrilsten Blogeinträge rund um das Thema Familie. Wer den Blog kennt, dem wird das eine oder andere sicherlich bekannt vorkommen. Ihre Geschichten sind es jedoch allemal wert, dass man sie sich noch einmal vergegenwärtigt. Hat außerdem schon mal jemand versucht, in einem Blog hin- und herzublättern? Gar nicht so einfach.

Als Elternteil ist es ein Leichtes, sich in den von der Autorin niedergeschriebenen Beobachtungen und Episoden an vielen Stellen selbst wiederzufinden: Ungebügelte, mischkostfarbene Kleidung? Elternabende? Der Kampf um zwei Wasserschnecken als Haustiere? Oder das Gefühl, in einem ständigen Adventure-Spiel zu leben, in dem man vom Nachwuchs immer wieder von Neuem auf die Probe gestellt wird?

„Ohne Vorwarnung rekalibriert sich das Baby, und das morgendliche Füttern funktioniert irgendwie anders. Ich probiere dann wild alles Mögliche aus, nehme verschiedene Gegenstände in die Hand – zack – plötzlich funktioniert was total Abgefahrenes und ich komme eine Runde weiter!“ – Levelboss Baby LeChuck

Ich persönlich habe ebenfalls viel Zeit in meiner Jugend mit Point-and-Click-Adventures zugebracht. Wem das nichts sagt: So Computerspiele. Und es stimmt, in meinem heutigen Leben als Vater hilft mir diese Erfahrung heute immer wieder mal, den absurden Forderungen des Kindes auf die Schliche zu kommen.

Der Vater, ein inkonsequenter Leser

Die zusammengetragenen Geschichten des Buches sind griffig, pointiert und genau das, was mir als von Müdigkeit geplagte Vaterseele gefallen mag, denn: Es ermöglicht mir das, wie ich es nenne, inkonsequente Lesen. Wenn also irgendwann am Ende eines langen Tages der Familienwahnsinn endlich eine kleine Auszeit genommen hat, dann kann ich in dem Büchleich blättern, bis ich etwas Passendes für mich, den Tag und auch die Stimmung gefunden habe. Oder ich lasse mich einfach von den kleinen, witzigen Zeichnungen, die sich über das gesamte Buch erstrecken, zum Lesen einer neuen Geschichte verleiten.

Schon seltsam, dass man seine abendliche Familienauszeit damit verbringt, die Verrücktheiten anderer Familien nachzulesen. Man muss wohl selbst Elternteil sein, um das zu verstehen. Wobei ich ja selbst so ein Teil bin. Ich verstehe es dennoch nicht und vielleicht muss ich das auch gar nicht. Ich lese also weiter.
Brüllend witzig und gut geschrieben sind nämlich alle Geschichten, das haben sie gemein. Es sollte mehr davon geben.

Moment! Als Vater ein Mamabuch von Patricia Cammarata lesen?

Und auch, wenn das Buch von einer Mutter geschrieben worden ist und das Wort „Mama“ sehr prominent auf dem Buchcover platziert scheint, spricht es mich als Vater inhaltlich mindestens genauso an. Auf dem Cover befindet sich übrigens auch ein gelbes Küken. Das bedeutet natürlich ebenso wenig, dass das ein Buch für Enten-, Hühner- oder Gänseliebhaber wäre. Wobei ich mir schon vorstellen könnte, dass der eine oder andere Vogelliebhaber durchaus Gefallen an diesem Buch finden könnte. Oder auch so mancher Nerd. Meiner kleinen Tochter ist diese Küken jedenfalls sofort aufgefallen:“DA! DA!“

Aber ich schweife ab. Also Väter, keine Scheu, greift ruhigen Gewissens zu. Oder schenkt es euren Freundinnen und Frauen oder noch besser: Lest es ihnen vor. Oder lest es euren Babys vor. Denn wenn Papa lacht, lacht das Baby ganz bestimmt mit und everybody wins. Nur eines kann man mit diesem Buch leider nicht machen. Ausgeschlossen. Man kann „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ nicht heimlich lesen. Das ist schlichtweg und komplett unmöglich, denn es wird diese eine Textstelle kommen, an der man lauthals loslachen möchte. Sage mir also niemand, er oder sie wäre nicht vorher eindringlich davor gewarnt worden.

Mein Arschbomben-Fazit in drei Worten:

Lieblich durchgeknallter Familienwahnsinn.

Cammarata Arschbombe

Patricia Cammarata, Mama, sehr gerne, Du Arschbombe

Das Buch „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ ist am 13. August 2015 im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen. Es kann via Verlag bestellt werden oder wer von euch zur schnellen Sorte gehört, die oder der ergattert auf Amazon (*Partner-Link) noch ein heißes Exemplar. Der hiesige Offline-Buchhandel kann euch aber sicherlich mindestens genauso gut weiterhelfen.

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