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Der Papa, das unbekannte Shopping-Wesen

Papa Shopping

In meinem ersten Vaterjahr ist mir wenig so deutlich vor Augen geführt geworden, wie dies: So sehr ich mein Geld auch ausgeben will, als männlicher Vertreter der Elternspezies wird man von der hiesigen Baby-Industrie teilweise gar nicht wahrgenommen. Kaum jemand möchte an mein väterlich Erspartes, kaum jemand wirbt um meine treue Kundschaft. Bleibt die Frage: Was mach‘ ich denn jetzt bloß mit dem vielen Geld?

„Sehr geehrte Frau Johnny..“

Routine, Schlaftrunkenheit, wie auch immer man es nennen soll, gewohnt zielsicher jedenfalls trotte ich zum Briefkasten. Gutscheinheftchen, Kostproben, das ganze Litanei allerfeinster Schnäppchenangebote. Ungerührt fische ich die Umschläge aus der grauen Box und lege sie auf das kleine Tischchen im Flur – „Schahatz, Du hast Post!“ Szenenwechsel, Vater ab. Immerhin, mir bleiben noch die „An die Bewohner des Hauses“-Briefe oder mein persönliches Highlight: die wochenendliche Umsonst-Zeitung.

Neidisch habe ich in den letzten Monaten dabei zugesehen, wie mit der Geburt unseres Kindes nicht unser Leben, sondern vor allem auch unser Briefkasten immer reicher und reicher beschenkt wurde. Manchmal mussten wir ihn mehrmals täglich leeren, um Platz für das Neureichliche des Tages zu schaffen. Selbst in Zeiten, in denen es draußen bitter kalt war und nicht mal die hartgesottensten unter den Hunden vor die Tür wollten, selbst dann fand man mich am Briefkasten wieder. Allein. An meine Wenigkeit war trotzdem keiner der dicken Umschläge adressiert. Von der gelegentlichen Mahnung einmal abgesehen.

Ein einziges Mal nur wurde ich bedacht. An diesen schönen Tag erinnere ich mich, als sei es gestern gewesen. Leider nicht aus den positivsten aller Gründe. Ein dickbäuchiger Umschlag aus buntem Papier mit meinem Namen drauf. Ich reiße ihn auf und er sagt es direkt heraus: „Sehr geehrte Frau Johnny“! Also mein Opa würde jetzt seinen Klassiker zum Besten geben:“Tja, ein Satz mit x..!“ Wenigstens das Windel-Sparabo im Internet stellt mir keine unangenehmen Fragen oder vertauscht meine Vaterröllchen. Hier bin ich Vater, hier darf ich’s endlich sein.

Der shoppende Vater: ein Fremdkörper

Ich beschließe im Zustand schlafreduzierten Leichtsinns, das Glück selbst in die Hand zu nehmen. Wie das Männer eben so tun. Ich halte auf den lokalen Bekleidungsmarkt zu und nichts und niemand wird mich von meinem Ansinnen abhalten können. Ich fordere mein Schicksal heraus. Wann, wenn nicht jetzt?

Erstes Obergeschoss. Es sieht in der Kinderabteilung weit weniger wild und exotisch aus, als ich es mir erträumt habe. Den Hut tief ins Gesicht gezogen, stürze ich mich hinein. „Sie sind hier in der Kinderabteilung, ne!“ rapunzelt es aus dem Mund einer besonders motivierten Personalspezies. „Ach, das ist ja verrückt. Deswegen passen mir die Strampler allesamt nicht?“ Nein, das habe ich natürlich nicht geantwortet, denn so schlagfertig bin ich erst drei Wochen später. Zuhause. Mit Reststrom im Kabel. Schade, dass man nicht alles im Internet kaufen kann wie das Windel-Abo, denk ich noch, sattel meine sieben Hühner und mache mich auf den Heimweg durch die Shopping-Ödnis – ohne Beutegut oder Strampler in der Seitentasche. Hätte ich doch bloß Superschurken oder Inkaschätze gejagt, anstatt Babykleidung auf der Müllerstraße. Ich mache mir eine Notiz.

Stilleinlagen für den Mann

Damit nicht genug. Es ereignet sich wenig später nach einem wohligen Familienblogger-Event, an dessen Ende jeder eine bunte Tasche voller Goodies überreicht bekommt. Endlich zuhause angekommen, werden die Inhalte jener Tasche schön und breit auf einem unserer zwei Wohnzimmerteppiche ausgebreitet. Freundin, Ich und die Tochter in einem großen Raschelberg voller Überraschungen. Es ist wie Weihnachten im November – bloß ohne Schnee.

Und dann die Überraschung: In meiner Tasche befinden sich Stilleinlagen. Stilleinlagen? Ich schaue an mir runter, mustere mich, aber Milcheinschuß kann ich beim besten Willen nicht bemerken. Kurz ausgestrichen – nein, nichts. Ein paar Kilos, die ich seit der Geburt zugelegt habe, ja gut, ok, die sehe ich. Nichts jedenfalls, bei dem mir die Stilleinlagen irgendwie helfen könnten. „Papa kann auch stillen“ heißt ein wirklich interessantes Buch von Stefanie Lohaus und Tobias Scholz. Bei Stilleinlagen hört die 50/50-Teilung vermutlich dann aber wohl doch eher auf.

Wozu soll man als Vater also Stilleinlagen benutzen? Als Untersetzer für die Flasche Bier? Als Knieschoner auf der Krabbeldecke? Als Träger für die abendliche Gurken-Kakao-Gesichtsmaske? Als Ohrenschützer / -wärmer ? Als Kippa in der Synagoge? Oder gar als Schuheinlage? Oder doch als Stilleinlagen? Ohne BH aber halten die Dinger überhaupt nicht, wie soll das also funktionieren? Ach, es ist hoffnungslos.

Stilleinlagen

Das sind doch alles nur Papa-Peanuts

Erst Sonntagszeitungen statt Gutscheinprogramme, dann die Shopping-Schmach und jetzt Stilleinlagen? Im Jahr 2014 gab es in Deutschland ca. eine halbe Million frischer Väter und doch komme ich mir als Vater wie ein Lämpchen vor, dass im Trüben nach schier unerreichbaren Schnäppchen fischt.

Vielleicht aber sollte ich anstatt zu jammern, mich einfach über all das gesparte Geld freuen, denn: Jetzt habe ich genug Geld übrig, um es für meine Tochter anlegen zu können – in einem Mischfonds vielleicht. Davon wiederum könnte sie sich in vielen, vielen Jahren selbst einmal etwas Schönes kaufen, sofern sie denn wollte. Und mit einem Quentchen Glück nimmt sie mich vielleicht sogar mit, wenn sie mit ihrem Geld auf die Einkaufsmeile oder in die City Mall geht – damit ich mal sehe, wie das so ist, wenn man mal ganz unbeschwert shoppen gehen kann.


Dieser Artikel ist zuerst auf dem Blog „Frau Mutter“ erschienen.

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