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Papa hat Geburtstag: Mein zweiter Geburtstag zu dritt

Papa hat Geburtstag

Heute muss ich ein Geheimnis lüften: ich habe heute Geburtstag. Und in Papa-Jahren gerechnet ist es sogar schon mein zweiter. Grund genug, die letzten drei Geburtstage miteinander zu vergleichen und sich zu fragen: Hat sich etwas verändert? Habe ich mich verändert? Und brauche ich wirklich Geschenke? Papa hat Geburtstag. Eine lose Betrachtung.

Vor drei Jahren: Los, raus hier!

Vor drei Jahren hatte ich wirklich noch keinen Schimmer von dem, was die Zukunft für mich bereit halten würde. Ich war ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, das Land hinter mir zu lassen oder wenigstens doch erst einmal die Stadt. Etwas Neues sollte her und ich wusste auch schon, was das sein sollte. Hier hielt mich jedenfalls nur noch wenig, so viel war mir klar. Und wie es der Zufall so wollte: ein neuer Job stand tatsächlich schon in den Startlöchern. Ich erinnere mich noch, wie ich an meinem Geburtstag am Schreibtisch stand und verschiedene Formulare sortierte. Selten zuvor, wie selten danach haben mir Formulare soviel Vorfreude bereitet.

Ich konnte ja nicht wissen, dass bereits acht Wochen nach diesem Geburtstag alles eine ganz andere Wendung nehmen sollte. Wenig später schon, kam es, wie es kommen musste. In just genau der Küche unserer jetzigen Wohnung traf ich eines abends zum ersten Mal auf die Mutter meiner zukünftigen Tochter. Davon wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch herzlich wenig. Auch von dem, was sonst noch auf uns herein brechen sollte, konnte ich mir nur wenige Vorstellungen machen.

Nur soviel: über manche Menschen kann man nichts Böses sagen, denn selbst das wäre bereits eine Verschwendung von Worten.

Vor zwei Jahren: Plötzlich Bald-Papa

Vor zwei Jahren legten sich die Stürme dann langsam wieder, die menschlichen Abgründe verschwanden und Schritt für Schritt sollte wieder etwas mehr Ruhe einkehren. Wir steckten ohnehin noch mitten im Umzug. Wer einmal mit einer Schwangeren aus zwei Wohnungen eine gemacht hat, der weiß, was ich meine. Nur eines war in diesem Chaos klar: lange würden wir wohl nicht mehr nur zu zweit sein.

Acht Wochen nach diesem Geburtstag und kurz nachdem die gesamte Erstausstattung endlich im Kinderzimmer einsortiert und verstaut war, wurde im Virchow-Klinikum kurz vor Sonnenaufgang unsere Tochter geboren.

Vor einem Jahr: Papa hat Geburtstag, Jahr 1

Vor einem Jahr war die Kleene noch kein Jahr alt. Nur langsam taute sie mit sich selbst und der Welt auf und wurde auch für uns als Eltern Tag für Tag zugänglicher. Ich selbst war im Januar letzten Jahres viel mit Arbeit beschäftigt und verbrachte einen beträchtlichen Anteil meiner Zeit damit, auch mal ehrenamtlich im Kiez unterwegs zu sein.

Wenn ich heute auf den Kalender des letzten Jahres schaue, dann frage ich mich schon, wie ich das damals überhaupt geschafft habe? Ich muss wohl noch sehr viel jünger gewesen sein, als es die Jahreszahl vermuten lässt. Heute jedenfalls verbringe ich mehr Zeit zu Hause. Mit der Zeit wird man ja auch nicht jünger.

Viel ist an diesem Geburtstag nicht passiert. Um 0:00 Uhr hat meine Freundin eine Flasche Sekt geöffnet. Leise natürlich, das Kind sollte ja nicht aufwachen. Viel mehr braucht es denn aber auch gar nicht und so kam der Geburtstag wie er ging, nämlich schön leise.

Und heute?

Alle drei Geburtstage markieren Anfang und manchmal vielleicht sogar auch Ende eines Lebensabschnitts. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich im Nachhinein Prioritäten wandeln können. Hätte ich mir vor drei Jahren nicht vorstellen können, noch länger als ein Jahr hier leben zu wollen, könnte ich mir heute kaum ausmalen, woanders zu sein. Und so geht es wohl eben seinen Gang.

Nachmittags werde ich wie immer meine Tochter aus dem Kinderladen abholen. Wir werden gemeinsam spielen, lachen und vielleicht auch mal kurz ärgerlich miteinander sein. Und dann ist es auch wieder gut. Ihr Papa hat Geburtstag, doch davon weiß ich sie natürlich noch nichts. Ob sie es überhaupt verstehen würde? Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wichtig. Mir jedenfalls ist es das heute nicht.

Ich selbst freue mich jetzt nämlich viel mehr auf ihren Geburtstag, also den Geburtstag meiner Tochter. In acht Wochen ist es nämlich schon soweit. Dann wird sie zwei Jahre alt und schon eine ganz, ganz Große sein. Wie das wohl werden wird – als Papa einer Zweijährigen.

Ja, vielleicht ist es das, was sich maßgeblich verändert hat. Vor drei Jahren ging es noch ausschließlich um mich und um das, was ich selbst möchte. Ich befand mich damals in keiner festen Beziehung, wollte etwas Neues für mich entdecken und die Zeit schien durchaus reif dafür. Und etwas Neues wurde es denn ja auch, nur eben anders als gedacht. Doch wie heißt es so schön: Leben ist das, wenn Du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden.


Heute geht es im Grunde um nichts weniger. Es geht um mich. Nur, dass mir heute andere Dinge mindestens genauso wichtig sind. Dinge, die außerhalb meiner Selbst liegen. Schlußendlich habe ich mich also gegen alle Abwanderungsszenarien entschieden und bin immer noch hier im Wedding. Nur eben nicht mehr alleine, sondern zu dritt in einer Altbauwohnung. Und mal so ganz unter uns: ist doch auch ganz schön hier, oder?

3 Kommentare

  1. Lisa sagt

    happy birthday to you, marmelade im schuh, aprikose in der hose. happy birthday to you. ;-)

  2. Herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe, Dein kommendes Lebensjahr macht Dich genau so zufrieden, wie Dein heutiger Blogpost klingt! LG aus dem Prenzlauer Berg/ Ecke Pankow
    Anna

  3. Lieber Johnny, ich gratuliere Dir ganz herzlich zu Deinem zweiten Geburtstag im neuen Leben. Das hast Du schön geschrieben und ich kann Dir nur zustimmen. Es ist alles anders und irgendwie neu und viel wichtiger als das, was es davor gab. Genieße Deinen Tag, Martamam

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