Papa-Blog
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Mein 50/50

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Wenn sich zwei oder drei Eltern treffen, dann unterhalten sie sich. Das ist gut, das ist hübsch. Ich werde dann gerne mal gefragt, ob ich Elternzeit genommen hätte oder wie wir uns als Familie eigentlich so arrangieren würden? Das sind zwei sehr interessante Fragen. Da wir uns aber nicht ständig im realen Leben über den Weg laufen, möchte ich hier eine kurze Antwort auf diese Fragen geben.

Auch angeregt durch das Buch „Papa kann auch stillen“ (siehe Rezension hier) sowie der Blogparade von das-elternhandbuch.de.

Das Gesetz sagt „Hahaha, Nein!“

Eine partnerschaftlich geteilte „Vereinbarkeit“ im Sinne, dass keiner von beiden beruflich zurückstecken muss, das war uns nicht vergönnt. Noch bevor wir überhaupt wussten was geschah, entschied ein Bundesgesetz für uns das Thema Vereinbarkeit und Geschlechteraufteilung. Als Angestellte bekam meine Freundin mit der Diagnose: „Übrigens hier, schwanger!“ zwangsweise auch sofort ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen. Zum Schutz des Ungeborenen. Eine Tierarztpraxis sei kein geeigneter Ort für eine Schwangere. Wohl zurecht. Blieb also nur das Elterngeld und ein kleine Gefälligkeit für eine Freundin hie und da.

Seit dem ersten Semester meines Studiums arbeite ich in dem einen oder anderem Museum. Erst einige Zeit im Service, später dann selbstständig als Museumspädagoge. Führungen, Workshops, Projekttage, Wochenendseminare. In welchem Umfang ich was wie mache, das bleibt immer meine Entscheidung. Als die Diagnose „Da ist Dein Kind, guck“ eines nachts in einer schummrigen Küche über mich hereinfiel, da wusste ich noch nicht viel. Und von 50/50 hatte ich auch noch nie etwas gehört. Zum einen aus Solidarität, zum anderen aus eigenem Anspruch war jedoch klar: Ich würde meine Arbeitszeit deutlich reduzieren – ohne jedoch in Elternzeit zu gehen.

Was kommt nach der Elternzeit

Bald schon ist die Elternzeit meiner Freundin vorbei. Sie wird in Zukunft zwischen 25-30 Stunden pro Woche in ein Berufsleben zurückkehren, dass ihr fast schon abhanden gekommen ist. Wäre es nach dem Willen der großen weiten Welt, sprich: ihrem Arbeitgeber gegangen, dann hätte sie bereits nach drei Monaten schon zurückkehren sollen. Dies war mit unserer vollgestillten Quengelqueen indes schlicht nicht möglich.

Wie wir die 8kg-Babyhantel in den kommenden Monaten stemmen werden, das wissen wir noch nicht genau. Manchmal fehlt uns ohnehin die Konsequenz, glaube ich. In die Kita mag ich die Kleene jedenfalls noch nicht geben. Für eine bessere Förderung und stabilere Betreuungsstrukturen schien eine Tagesmutter einstweilen perfekt. Was aber, wenn diese mal krank wird? Wir haben keine Verwandten, die vor Ort spontan einspringen könnten. *Ich habe aber dank Daniela gelernt, dass es für diesen Fall so etwas wie ein Netzwerk von Tagesmüttern gibt.

Besteht noch Hoffnung für das 50/50?

Fest steht, mein männliches Ego ist entspannt. Es fühlt sich nicht zurück gesetzt und schon gar nicht herausgefordert. Auch dann nicht, wenn es mehr Zeit Zuhause oder in Home Office verbringt. Home Office ist ohnehin das neue Stichwort. Allein, ich möchte meiner Tochter nicht die sozialen Kontakte verwehren, die Gleichaltrige in der Kita bereits machen können. Helikopter-Dad, bist Du’s? Ein wirklich attraktives Alternativ-Konzept könnte das vom Coworking Toddler sein: Coworking mit angebundener Kinderbetreuung. Dieses Konzept mag mir sehr gefallen.

Unabhängig davon, wohin die Reise geht: Ein ausgeglichenes 50/50 gab es für uns von Anfang nicht – zumindest nicht beruflich. Reduziert habe ich dennoch. Unser Kiez hat den Betreuungsbedarf 3+. Das bedeutet, man muss sich aktiv um einen Betreuungsplatz bemühen. Ein Kita-Platz scheint aber irgendwie auch nicht die richtige Lösung zu sein. Zum Glück haben wir ja noch etwas Zeit, um uns zu arrangieren.

4 Kommentare

  1. Hi Johnny,
    toll, dass Du bei unserer Blogparade mitgemacht hast – endlich mal ein Vater!

    Ich frage mich bei dieser ganzen Debatte manchmal: heißt Gleichberechtigung wirklich 50/50 arbeiten? Oder heißt es nicht eher gleichberechtigt entscheiden, was für die eigene Familie der richtige Weg ist? nur so ein Gedanke…

    Viele Grüße
    Heike vom Elterhandbuch-Team

  2. Hallo Johnny,
    meine Maus wird übrigens von 4 Tagesmüttern in einer Großtagespflegeeinrichtung betreut. Sind insgesamt 20 Kinder, ist aber immer noch familiärer als eine Kita. Außerdem ist der Betreuungsschlüssel um Klassen besser. Weiß ich, weil ich ja selbst in der Kita arbeite.
    Wenn eine Tagesmutter krank ist, gibt es eigentlich immer Ersatz. Die Tagesmütter sind untereinander in Vertretungsteams vernetzt. Da die Kinder meist gleich an die Vertretungsperson mitgewöhnt wird, sind ihnen die Vertreter im Fall der Fälle auch bekannt.
    Nur so als Tipp…

    LG
    Daniela

    • Vielen Dank für Deinen Input. Klingt eigentlich ganz gut. Ich werde mich auf jeden Fall nochmal näher infomieren – Du merkst, ich weiß noch nicht so viel ;)
      LG, Johnny

  3. Pingback: Auswertung unserer Blogparade „Papa kann auch stillen“

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