Papa-Blog
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Hauptsache nichts mit Eltern

Hauptsache nichts mit Eltern

Je länger ich der Präsenz anderer Eltern ausgesetzt bin, desto öfter wünsche ich mir manchmal die Zeiten zurück, in denen „Knüppel aus’m Sack“ noch ein sozial akzeptiertes Kommunikationsmittel war. Es gibt Tage, da möchte ich gar nicht so genau wissen, was andere Eltern mit ihren Kindern zu Hause anstellen. Es geht mich ohnehin nichts an. An manchen Tage denke ich: Egal, was heute noch passiert, Hauptsache nichts mit Eltern!

Vor einer gefühlten Ewigkeit textete eine deutsche Post-Punkband mal die Zeile „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ und ich bin am heutigen Tage sicherer, denn je, dass sich ein solcher Textfetzen an jedem Tag, an jedem Morgen, in jeder Woche, in jeder Einrichtung, die mit Eltern zu tun hat, auf’s Neue bewahrheiten muss.

Zum Beispiel dann, wenn eine Mutter mit ihrem Dreijährigen ohne weitere medizinische Indikation so genanntes „Low-Carb“ macht, also eine bewusst kohlenhydratarme Ernährung zur Lifestyle-Optimierung sowie elterlicher Gewichtsreduktion.

Darüber kann ich erst einmal nicht urteilen. Ich möchte aber schwer wundern, wenn das bedeutet, dass das Kind morgens zum Frühstück statt Käsebrot lediglich die Scheibe Käse isst.

Käse ist natürlich Low-Carb. Der Junge ist aber auch erst drei Jahre alt und etwas mehr ausgewogene Ernährung täte uns allen mal ganz gut. Aber eine nackte Käsescheibe auf die Hand?

Vielleicht ist es auch genau das Kind, welches so unregelmäßig in die Betreuung gebracht wird, dass so gut wie alle sozialen ‚events‘ verpasst. Natürlich wundern sich die Eltern dann über den fehlenden Anschluss des Kindes und die daraus resultierende Frustration/Aggression.

Und dann wird diskutiert. Über konsequentes Handeln, über die fehlende soziale Kompetenz ihrer Kinder, meinen damit aber ihre eigene und ehe man sich versieht, hadern sie mit sich, mit Gott und der Welt und vor allem: mit den Erziehern.

Verstehe mich keiner falsch: es gibt da draußen viele tolle Menschen, die Kinder haben und viele davon durfte ich schon kennenlernen. Also Kinder, Erwachsene aber auch. Ich selbst mache sicher auch viele Fehler und vertrete vielleicht hier und da schräge Ansichten – ohne es vielleicht sogar zu merken. Immerhin ernähre ich mein Kind zu Hause vegetarisch. Ich habe das Glashaus für den elterlichen shitstorm damit sozusagen selbst erfunden.

Trotzdem verstehe ich viele Dinge, die Menschen mit ihren eigenen Kindern machen nicht. Und manchmal will ich es auch gar nicht. An manchen Tagen schüttle ich die Mähne, zieh die Kragen hoch und denke: Wenn aus diesem Tag noch irgend etwas werden soll, dann lass mich heute bitte in kein Elterngespräch mehr verwickelt werden. Hauptsache nichts mit Eltern. Und eine Ladung Schokobrötchen später geht’s auch eigentlich schon wieder.

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