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„Frech, wild & wunderbar“: Störrisch mit Sven Nordqvist

"Frech, wild und wunderbar" mit Sven Nordqvist

Am Montag fand in den Nordischen Botschaften die Eröffnung von „Frech, wild & wunderbar – Schwedische Kinderbuchwelten“ statt. Dort habe ich neben dem Konzept der Kinderbibliothek „Rum för barn“ (Raum für Kinder) auch viele skandinavische Kinderbuchautoren persönlich kennenlernen dürfen. Mit Sven Nordqvist, dem Schöpfer von „Pettersson und Findus“ habe ich mich dank eurer Fragen etwas länger unterhalten. Ein Interview zwischen zwei, die eigentlich nicht so gern im Rampenlicht stehen. „Frech, wild und wunderbar“ – und auch ein bisschen störrisch.

Die Welt hinter den Toren von Kinderbüchern und -geschichten ist mir weitestgehend unbekannt. Und doch sind mir schon zahlreiche Ausgaben in die Hände gefallen, deren Illustrationen oder Geschichten mir entweder belanglos oder schlecht umgesetzt schienen. Vielleicht habe ich als Vater auch einfach nur einen extra Löffel Skepsis mehr im Frühstückstee.

Kürzlich haben wir angefangen, mit der Tochter die Geschichten vom dem alten Mann und seinem Kater gemeinsam zu entdecken. Allzu vertraut bin ich mit den beiden aber noch nicht. Die Einladung, den Schöpfer von „Pettersson und Findus“ persönlich zu treffen, ereilte mich auf dem völlig falschen Fuss. Umso schöner, dass einige von euch mir unter die Arme gegriffen haben. Hier sind die Antworten auf einige eurer Fragen an Sven Nordqvist – und naja, mein Senf dazu.

Vier Fragen an Sven Nordqvist

1) Die Schlimme Helena wollte auf Twitter wissen:
„Dass nur die Hühner auf dem Hof weiblich sind, ist doch sicher Absicht.“

Sven Nordqvist:
„Ich begann damit, die Hühner zu zeichnen, als viele bosnische Flüchtlinge dem Balkankonflikt entflohen und nach Schweden kamen. Sie waren in Schweden und auch bei uns im Dorf nicht sonderlich willkommen, niemand wollte sie hier. Es kam teilweise zu unschönen Szenen, als zum Beispiel weibliche Flüchtlinge von männlichen Bewohnern öffentlich durch die Straßen gejagt wurden. All diese schrecklichen Dinge, das hat mich beschäftigt.

Als Kind hatten wir früher auch Hühner. Mit zehn Stück haben wir damals angefangen. Anfangs hatten wir noch einen Hahn, später dann nicht mehr. Wie es dem Hahn in dem Buch geht, weiß ich gar nicht – aber in einer Geschichte heißt es in der deutschen Übersetzung, dass er woanders zu Besuch ist. Im Original ist er einfach nicht da (Anmerkung: abgesehen von dem Band „Findus und der Hahn im Korb“).“ Das hätte man vielleicht etwas klarer schreiben können, aber es geht um die Hühner, nicht um den Hahn.“

 

2) Okay Britta wie einige andere auch, fragten sich:
„Was hat es eigentlich mit den Mucklas auf sich? Ob es vielleicht mal ein Buch über sie und ihre geheime Welt geben könnte?“

Sven Nordqvist:
Eher nicht. Ich habe jetzt über so viele Jahre hinweg im gleichen Stil die Geschichten der gleichen Charaktere erzählt. Ich bin wenig müde und habe derzeit andere Pläne und Projekte. Mal schauen. Die Welt der Mucklas ist für mich also im Moment nicht besonders interessant, nein. Ich möchte neue Sachen schreiben.

* Die Antwort auf die Frage, ob sie vielleicht eine reale Entsprechung haben, hat er geflissentlich übergangen. Das Thema Mucklas erwirkte sofortige Abwehrhaltung.

 

3) Lars Moritz fragte auf Facebook:
„ob es einen zweiten Film geben wird. Der erste ist wunderschön, hätte eine Fortsetzung verdient“? Hierbei sei angemerkt, dass es nicht nur ein oder zwei, sondern bereits mindestens vier „Pettersson und Findus“-Filme in deutschen Kinos zu sehen gab.

Sven Nordqvist:
Ein weiterer Film in der „Pettersson und Findus“-Reihe ist bereits geplant, aber allzu viel kann ich noch nicht dazu sagen. Es wird aber wohl geben, ja.

 

4) Janni O. wollte erfahren, ob der Autor „urbanen Lärm“ hasst? Immerhin verströmten seine Geschichte so viel Ruhe. Ich war so freizügig, die Frage für die Stadt Berlin umzudichten und habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, in einer Stadt wie Berlin zu leben – immerhin ist sie in vielem das Gegenteil von dem, was wir aus seinen Büchern kennen.

Sven Nordqvist:
Ich war erst einmal in Berlin – für einen Tag. Da habe ich natürlich kaum etwas gesehen. Während meines jetzigen Besuchs habe ich eine Tour durch die Stadt gemacht und habe all die wichtigen Orte gesehen. Ich denke an die Geschichte der Stadt, die schrecklichen Folgen von Krieg, die in dieser Stadt hinterlassen worden sind. Das ist etwas, was mich interessiert: die Geschichte dieser Zeit, der Krieg. Ich denke daran, wie zerstört Berlin und wie schön es mal war. Ich war auf der Karl-Marx-Allee. Hoffentlich bleibt sie als historischer Zeuge so wie sie jetzt ist erhalten. Ich habe gesehen, in Berlin wird viel abgerissen.

Ich habe nichts gegen Städte. Ich könnte mir vorstellen, in einer großen Stadt zu leben – wenn ich keine Familie hätte. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, würde ich natürlich in Stockholm leben. Warst Du schon einmal dort? Ja? Dann weißt ja, was ich meine. Es ist wunderschön.

Johnny und Sven Nordqvist

Johnny und Sven Nordqvist

Britta L. wollte neben dem Himbeerrezept für die Pancake-Kuchen außerdem wissen: „ob er mehr so wie Findus ist oder wie Petterson. Oder ob Findus der Kindersven ist und Petterson der Alte Sven?“

Diese Frage hatte ich mit in die Nordischen Botschaften genommen, aber schon nach wenigen Worten war eigentlich klar, dass Sven Nordqvist ein scheuer Mann ist. Er gibt viel von sich preis, aber die Frage schien mir dann doch zu privat bzw. ihm zu nahe zu kommen. Vielleicht täusche ich mich auch. Übrigens: Man kann die Pancake-Torte mit allem belegen, was man möchte, sagt er.

Wahrscheinlich stimmt es aber, wenn der Ausstellungsmacher von „Frech, wild und wunderbar“ sagt: „Menschen, die Kinderbücher schreiben, sind schwierig!“ Das weiß ich jetzt auch. Ich habe auch gelernt, dass Sven Nordqvist viel mehr Ebenen in seinen Geschichten verarbeitet, als auf den ersten Blick sichtbar werden. Das gilt für viele der anwesenden AutorInnen übrigens auch. Als alten Geisteswisschenschaftler hat mich das beeindruckt. Gern hätte ich mich mehr über die negativen Seiten menschlichen Verhaltens wie Krieg und Vertreibung unterhalten. Mir scheint, hier hat der zurückhaltende Nordqvist mehr zu sagen. Nächstes Mal vielleicht.

Schwedische Kinderbuchwelten im Felleshus

Die Ausstellung „Frech, wild und wunderbar – Schwedische Kinderbuchwelten“, die mit nachgestalteten Kinderbuchszenen wie dem echten Detektivbüro LasseMaja, einer Nachgestaltung der „schönsten Beerdigungen der Welt“ sowie Sven Nordqvists Mama Muh aufwarten kann, ist noch bis zum 30. Juni 2016 im Felleshus gratis zu sehen. Sie ist für Kinder gemacht, Erwachsene holen sich da schnell krumme Rücken.

"Frech, wild und wunderbar" Detektivbüro LasseMaja

„Frech, wild und wunderbar“ Detektivbüro LasseMaja

Zum gemeinsamen Entspannen gibt es in der Ausstellung auch eine Bibliothek so wie ich sie mir für Kinder vorstelle – nämlich leicht zugänglich und nicht nach Autor, sondern nach Thema und Cover sortiert. „Rum för barn“ (Raum für Kinder) – eine Kinderbibliothek für ein Publikum, dass nicht lesen kann. Schwieriger wie genialer Gedanke. In den Broschüren fällt auf: ausschließlich vorlesende Männer mit Kindern sind auf den Bildern zu sehen. Sowas würde es hier wohl kaum geben.

Auch, wenn sich Sven Nordqvist derzeit nach neuen Projekten zu sehnen scheint, kann ich mir das Konzept einer Kinderbuchbibliothek mit vielen seiner Werke in den Regalen auch hier in Berlin gut vorstellen.

„Kinder sind nicht das Publikum von morgen, sind es heute schon.“

Dem kann ich nur beipflichten.

Frech wild und wunderbar

Schwedische Kinderbuchautoren an Glastreppe (mit Maria Jönsson, Pika Lindenbaum, Barbro Lindgren, Ulf Nilsson, Sven Nordqvist, Pernilla Stalfelt, Martin Widmark, Helena Willis, Jujja Wieslander, Stina Wirsén)

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  1. Pingback: Die Ausstellung in den Medien – FRECH, WILD & WUNDERBAR

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