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Feministische Vaterschaft vs. gleichberechtigte Teilhabe?

Feministische Vaterschaft

Vor kurzem fragte sich Jochen König, ob es so etwas wie eine feministische Vaterschaft geben könne und welchen Grundsätzen diese wohlmöglich folgen solle? Ich stimme Jochen zu, wenn er sagt: „Das Private ist politisch!“ Private Entscheidungen haben immer auch politische Dimensionen. Doch nicht immer ist das Private auch das, was man als bloggender Vater öffentlich im Internet preis geben mag. Eine kommentierte Zuneigungsbekundung.

Gleichberechtigte Teilhabe vs. feministische Vaterschaft?

Jochen, der sich selbst als feministischen Vater bezeichnet, fordert von Vätern, sich mehr in der sogenannten Sorgearbeit einzubringen und gegebenenfalls beruflich zurückzustecken, um auch der Partnerin die Möglichkeit eines Lebens außerhalb der Familie zu ermöglichen. Für manche ist das allein schon eine radikale Forderung. Manchem wird dies nicht einmal praktikabel erscheinen, denn die systemische Benachteiligung der Frau beginnt bekanntlich nicht erst mit ihrer Mutterschaft (siehe Lohngefälle).

Wie man es auch nennen mag: gleichberechtige Teilhabe, „50/50“-Prinzip oder feministische Vaterschaft. Wichtig ist nicht der Begriff, wichtig ist die Forderung, die hinter allen dreien steckt: das Väter über sich selbst und ihre familiäre Rolle reflektieren und sich mindestens gleichberechtigt in Familie, Job und Haushalt einbringen sollten.

Wer Sorgearbeit nicht sieht, ist blind

Der Job des Vaters endet zwar nie, ein Vollzeitvater bin ich dennoch nicht. Zwar habe ich meine Vollzeittätigkeit abgebrochen wie auch meine selbständige Arbeitszeit radikal reduziert, doch trotz allem habe ich meine Erwerbstätigkeit nicht gänzlich aufgegeben.

Mehr Zeit mit meiner Tochter wollte ich verbringen. Das war mein erklärtes Ziel. Auch deswegen arbeite ich heute noch sehr viel von zu Hause. Einen Unterschied zwischen Haushalts- und Sorgearbeit habe ich im Alltag jedoch nie gemacht. Mag vor allem letztere nach außen im Blog oft unsichtbar bleiben – bis auf wenige Ausnahmen – so, ist sie im privaten Alltag umso sichtbarer.

Zum Beispiel, wenn das Kind neue Hosen braucht. Oder wenn ich im Notfall angerufen werde, falls meiner Tochter im Kinderladen etwas zugestossen sein sollte. Oder wenn wir Putz- und Waschdienste übernehmen. Oder ich Antibiotika von der Notapotheke hole. Wer als Vater die so genannte Sorgearbeit nicht sieht, der muss schlichtweg blind sein. Sie ist so alltäglich, dass man irgendwann nicht mehr über sie nachdenkt.

Feministische Vaterschaft, c’est moi?

Macht mich das aber schon zu einem feministischen Vater? Die Chancen, dass ich es bin, stehen nicht ganz so gut. Allein mir fehlt der politische Unterbau, fürchte ich. Warum aber zwischen den Geschlechtern unterschieden wird und warum Väter mal die besseren Mütter sein sollen, um dann wieder ganz, ganz anders als ihre weiblichen Partnerinnen zu sein, das will mir trotzdem nicht einleuchten.

Nach fast zwei Jahren einer organisch gewachsenen Aufteilung denke ich heute: Väter sollten viel mehr sein, als bloß medial vermittelte Superhelden oder gar die „besseren Mütter“, wie es ein bekanntes Montagsmagazin mal seinerseits fail kolpotiert hat.

Als Papablogger nicht immer öffentlich

Männer sind. Frauen aber auch. Beide sind Individuen und als solche auch zu behandeln. Väter sollten also ganz einfach sie selbst sein. Das klingt simpel, ist aber im Kern der Sache eine nahezu radikale Forderung. Es bedeutet, sich selbst nicht nur als Person, sondern sich auch in seiner Rolle als Vater immer wieder zu hinterfragen. Jenseits von Geschlechterrollen. Das ist nicht immer leicht und manchmal trifft man auf seiner Reise auf alte Klischees, von denen man dachte, man sei längst immun gegen sie geworden.

Nicht immer bin ich selbst bereit, diese Gedanken und Momente des Insichgehens mit der sehr realen Internetwelt zu teilen. Das Private ist politisch, doch nicht immer es auch das, was man bereit ist, mit Anderen, potentiell Fremden zu teilen. Manchmal enthalte ich mich dann einfach im Blog und mache unseren Alltag nicht öffentlich. Würde das überhaupt jemand lesen wollen, wenn ich über meine alltäglichen Gedanken als Vater schreibe?

Keine Helden, nirgends

Vatersein, egal in welcher Konstellation, ist immer auch die Reise durch einen unbekannten Kontinent. Man betrachtet das Vatersein von innen, man betrachtet es von außen. Die Frage nach der eigenen Rolle gehört genauso zum Vatersein wie die Frage nach dem richtigen Kombi-Kinderwagen. Väter sind dabei weder Helden, noch verdient die verschwindend geringe Anzahl an Vätern, die länger als zwei Monate Elternzeit nehmen Applaus. Sie tun lediglich das, was sie für Kind und Partnerin ganz selbstverständlich tun sollten: teilhaben, aufteilen und entlasten.

Jochen verdient keinen Applaus. Er verdient Respekt für sein öffentliches Hinterfragen des sozial konstruierten Vaterbilds. Männer, die ihn für das, was er fragt, tut und lebt kritisieren oder gar beleidigen, haben leider überhaupt nichts verstanden. Weder bei ihm, noch bei sich selbst. Da hilft dann auch keine noch so gut gemeinte Ironie mehr weiter.


Wer mehr über die Idee des feministischen Vatersein erfahren möchte, kann es hier gern weiterlesen: Jochen König bei umstandslos.com

2 Kommentare

  1. Keine Ahnung, wie andere feministische Vaterschaft definieren, aber nach dem feministischen Grundsatz -gleiche Rechte, gleiche Pflichten – dürftest du doch ganz gut dastehen? Sehr gut, sogar?

    • Vielleicht, wer weiß. Ich mache mir um die Begrifflichkeit jedenfalls wenig Gedanken. Ich glaube aber, dass das ein wesentlicher Aspekt sein müsste. LG

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