Papa-Blog
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Ich bin kein Elternzeit-Superdaddy

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Mein persönlicher Eindruck ist, dass Väter in Elternzeit häufig von ihrer Umwelt ob ihrer Entscheidung pro Familie deutlicher befeiert würden als ihre weiblichen Pendants. Als Vater, der sich für mehr Familie entschieden hat, sehe ich das mit gemischten Gefühlen.

Flughafen Nizza, letztes Jahr. Das Flugzeug ist vor einigen Momenten gelandet und die Frau hinter uns gibt schon so Sätze von sich wie „Endlich wieder Frankreich, endlich wieder ‚laissez faire‘!“ Allein für diese Anekdote hat sich die Reise eigentlich schon gelohnt, doch dann passiert das in Flugzeugen Unausweichliche: die metallene Nussschale nimmt ihre endgültige Position ein und die Passagiere beginnen zu applaudieren.

Moment! Alle Passagiere? Nein. Ein kleines, gallisches Reihendorf im vorderen Bereich der Economy Class verweigert sich strikt dem kollektiven Händepatschen. Wie so echte Deutsche. Dies wiederum weckt den Argwohn der anderen Deutschen im Flugzeug. Also schnell raus, denn wie sagte schon Churchill sinngemäß: „Man hat die Deutschen entweder am Stiefel oder am Hals“, also Füße in die Hand genommen und ‚Hallo Urlaub‘.

Wedding letzte Woche oder jeden Tag. Hinter mir steht niemand und draußen ist es längst schon dunkel geworden. Niemand applaudiert, keiner klopft mir auf die Schulter und auch ein Selfie will niemand mit mir machen. Aus dem laissez faire ist ein „lass Papa das machen“ geworden. Keine Landebahn, keine Abfertigung, dafür ausgiebige Bremsspuren, die ich fachgerecht entsorgen darf. Nachts am Wickeltisch. Oder wie ich ihn nenne: Entscheidung am Little Creek Kackhorn.

So ein Vaterleben, nachts um halb neun, es ist so gar nicht aufregend. Überall liest man indes, Papa sein sei das größte Abenteuer, auf das ein Mann sich im Leben einlassen könne. Menschen, die das sagen, haben noch nie den Amazonas gesehen, ein Haus gebaut oder mit dem Baby auf dem Arm linkshändig das gute Geschirr gespült, während der Pfanne auf dem Herd gegenüber dunkle Rauchwolken entfleuchen.

Papa sein ist spannend, aber es ist durch und durch normal. Sorry, ihr Erlebnissüchtigen. Das schließt jedoch nicht aus, dass das Papaleben nicht auch extremer Wahnsinn ist, denn das ist es. Genau darin aber besteht dessen Normalität. Fragt mal die Mutter.

Der Pilot macht seinen Job, er macht ihn gut und dafür sollte er fürstlich entlohnt, vor allem mit Respekt behandelt werden. Ich bin Papa und ich mache meinen Papa-Job wie ich ihn für richtig halte. Ich verbringe viel mehr Zeit auf Krabbelunterlagen und zwischen Spielzeugbergen als in Seminarräumen oder unterwegs. Und zwar, weil ich es so wollte. Ich möchte teilhaben und dafür verlange ich Respekt und nichts weniger.

Genau dort hat der Pudel die Pfefferlocke. Für meine Entscheidung möchte ich respektiert werden. Mehr nicht. Viel ist es nicht, was ich verlange. Ich möchte nicht in den Himmel gelobt werden oder Vorbildvater sein. Ich bin kein engagierter Superdaddy, auch wenn ich zugegeben gerne Capes trage. Als Vater bin ich manchmal groß, manchmal klein, manchmal am Herd und manchmal eine Banane. Alles wie immer, alles ganz normal.

Darüber hinaus möchte ich noch viel weniger für etwas hervorgehoben werden, das gegenüber meiner Freundin als selbstverständlich vorausgesetzt wird: Elternzeit, Kindbetreuung, Haushalt. Meine Freundin verdient als Mutter Respekt und nichts weniger. Gleiches gilt für die Entscheidungen, an die wir zwei uns gemeinsam als Familie herantasten. Unseren täglichen Bedarf an Zweifel oder Fragen müssen wir nicht durch Fragen von außen supplementieren, das bekommen wir auch ganz allein hin. Versprochen.

Dieser Text war unter Umständen live dabei, als Andrea vom Runzelfüßchen die Blogparade „Superväter und Normalomütter?“ ins Leben gerufen hat. Viel mehr von uns sollten sich an diesem spannenden, wie wichtigem Thema beteiligen, oder?

10 Kommentare

  1. Schade, dass ich dein Blog erst jetzt entdeckt habe. Du hast eine einmalige und unterhaltsame Art zu schreiben. So, nun Schleimmodus wieder off- aber wollte ich trotzdem nur mal sagen =)
    LG

    • Vielen, vielen Dank, Manati, für das große Kompliment! Ich hoffe, ich kann Deine Erwartungen auch zukünftig erfüllen.

      Johnny

  2. Beppo sagt

    Vielen Dank. Sehe ich genauso. Habe bei meinen beiden Kindern die Elternzeit mit meiner Liebsten geteilt und die Zeit sehr genossen (auch wenn es diese Wahnsinnskatastrophentage gibt) und mich dann doch über die Heldengeschichten in den Bücherregalen gewundert.
    Ich würde mir wünschen, dass die väterliche Elternzeit Normalität wird.
    Servus.

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar, Beppo. Wahre Worte, denen ich eigentlich nichts mehr hinzufügen möchte. Danke. :)

      Johnny

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  5. Hey Johnny,

    genau heute hatte ich mit meiner Frau eine kurze Unterhaltung darüber, ob ich in Vaterzeit gehen werde oder nicht?
    Nachdem ich deinen Text gelesen habe, musste ich dann erstmal wirklich überlegen, ob das heutzutage so ein Unding ist, als Papa, Frau und Kind zu helfen und dem kleinen Furzknollen die erste Zeit aus nächster Nähe zu begleiten bzw. ob, das tatsächlich nicht dementsprechend honoriert wird? Oder sogar etwa übertrieben honoriert wird.

    Immerhin bin ich sowas von froh, dass den körperlichen Stress einer Schwangerschaft meine Frau übernimmt. Dann will ich sie doch wenigstens nach der Geburt bestmöglich unterstützen…Ich kann mir im Moment auch gar nicht vorstellen, dass das irgendwann mehr honoriert wird, als die Leistung der Mutter.

    Respekt will ich erst, wenn ein Besuch des Lil Creek Kackhorn mir nichts mehr ausmachen kann und wird.
    Ciao ciao

    • Hallo Indro,
      die Statistik zeigt, dass es gar kein Unding ist, als Vater in Elternzeit zu gehen. Viele Väter tun es und würde es gerne sogar länger tun.
      Das eigentliche Unding ist, dass so getan wird, als brächte der Vater das allergrößte Opfer, sobald er sich mehr Zeit für die Familie nimmt.
      Respekt brauche ich nur vor mir selbst. ;)
      Johnny

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