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Buchrezension: „Die Nabel der Welt“ von Nadine Luck

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Meine Namensvetterin im Geiste hat auf 280 Seiten sehr kurzweilig und mit viel Elan über die weltweiten Gepflogenheiten rund um das Kinderkriegen geschrieben. Heraus gekommen ist dabei ein rundum gelungenes, mitunter skurriles Sammelsurium von Bräuchen, Aberglauben und Traditionen.

Parallelwelt : Elternwelt

Niemand ist eine Insel. Jede Station in einem Elternleben ist immer auch in regional eingefärbte Gepflogenheiten und Traditionen eingebettet. Von der Zeugung des Babys, der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett, bis hin zu den ersten Besuchen, der Namensgebung und den Kindergeburtstagen. Es ist also kein Zufall, dass dieses Buch ebenso in jenen Kapiteln daher spaziert kommt. Bei spontan auftretendem Wissensdurst findet man so die entsprechenden Abschnitte schnell wieder oder kann bei Bedarf bequem quer lesen.

Was soll ich sagen? Bevor ich selbst Vater wurde, war mir nicht im Entferntesten bewusst, dass man als Elternteil nicht bloß mit diesen oder jenen Gepflogenheiten konfrontiert wird, sondern man im Grunde in eine komplette Parallelwelt abrutscht. Die, die ihr eintretet, lasset alle Hoffnung fahren. Zum Glück hat man als Elternteil nicht immer Zeit, sich um solche Dinge Gedanken zu machen. Oder?

Spitzer Bauch und Kuhmilch

Schon während der zweiten Schwangerschaftmonate sollte dieses Phänomen also auch bei uns vorstellig werden. Freunde und Verwandte gaben sich plötzlich und ganz unvermittelt als tiefgläubige Anhänger des, wie wir es nannten, „Bauchform-Voodoos“ zu erkennen. Dieser Zauber geht so: Ist der Bauch rund, wird es ein Junge. Ist der Bauch dagegen spitz, dann wird’s ein Mädchen. Oder war es umgekehrt? Ich muss gestehen, ich habe nicht immer so genau hingehört.

Umso erstaunter bin ich, nachdem ich das Buch von Nadine Luck gelesen habe. So viel weltweites Babywissen und Elternhaftes, das mir entgangen ist. Vor allem aber, wie viel Abstruses mir sogar noch erspart geblieben blieb. Ich bleibe noch einen kurzen Moment sitzen – und schmunzel ungläubig.

Dass manch Schwangere in China Milch trinkt, damit ihr Nachwuchs eine hellere Haut bekommt, dass hatte ich an unbekannter Stelle schon einmal gehört. Es gibt Dinge, die merke ich mir einfach. Dass aber einige Frauen in Indien ihren Neugeborenen in den ersten Tagen eine Mischung aus Kuhmilch und Honig einflössen hingegen nicht. Kuhmilch und Honig für das Baby? Mir wäre fast der Rohmilchkäse von meiner Mettschrippe gerutscht. Warum diese Frauen das tun? Sie halten Kolostrum für etwas Unreines und beginnen mit dem Stillen erst, wenn die „echte“ Muttermilch eingeschossen ist. Ja, ich weiß, was Kolostrum ist. Und nein, ich habe es nicht probiert. Und auf einer Pullerparty war ich übrigens auch nicht.

Mein Eindruck von den Nabel der Welt

Was es mit letzterem auf sich hat oder warum sich manche Männer während der Geburt die Hoden einschnüren, ja, all das gibt es in diesem Büchlein zu ergründen. Hätte ich im Kreißsaal etwa vielleicht auch meine Hose ausziehen sollen?

Nadine Luck bietet ihren LeserInnen erstaunliche Einblicke in das weltweite Elterntreiben und hat zumindest mir immer wieder schöne Gesprächsanregungen an die Hand gegeben:“Wusstest Du, dass man im Jemen die Plazenta auf das eigene Hausdach legt?“ – „Ach..“ – „Hm hm!“

Dieses Buch ist insbesondere für diejenigen unter uns interessant, die gerade frisch Eltern geworden sind, es just in diesem Moment werden oder wenigstens planen, demnächst das Ticket für den Elternzug zu lösen. Letzteren empfehle ich, dieses kleine Büchlein besonders genau zu lesen.

„Die Nabel der Welt“ ist ein unterhaltsames Buch, dass es verzeiht, wenn man es nicht am Stück zu lesen vermag. Insbesondere Nochnicht- bzw. frischen Eltern möchte ich es ans Herz legen. Es bietet Mutter wie Vater in spe nämlich einen entscheidenden Vorteil: Unter der Rubrik „Gut zu wissen“ bzw. „Ammenmärchen“ bietet es wunderbare Vorlagen, um beispielsweise ungefragte Verwandtenratschläge elegant und punktgenau auszukontern.

Meine Leseerfahrung auf wenige Worte zusammengefasst:
Positiv verstörend, lebendig und absolut empfehlenswert!

Luck Baby 22

Wer darüber hinaus mehr über Nadine Luck erfahren möchte, dem sei ihr Blog auf Leben&Erziehen dringend empfohlen! Zu finden unter: http://www.leben-und-erziehen.de/nadines-blog

Erschienen im März 2015, ist „Die Nabel der Welt“ von Nadine Luck im Conbook Verlag als Paperback oder eBook erhältlich. Der erwähnenswerte Clou: Wer die Papiervariante erwirbt, erhält gleichzeitig einen eBook-Code, der beim Conbook Verlag zum kostenfreien Download für den hiesigen Reader berechtigt.

Erhältlich direkt beim Verlag unter:
Nadine Luck, Die Nabel der Welt. Die verrücktesten Bräuche rund ums Babymachen, -kriegen und -haben, Conbook Verlag, 2015

Oder via Amazon (*Partnerlink):
Die Nabel der Welt: Die verrücktesten Bräuche rund ums Babymachen, -kriegen und -haben + E-Book inside

2 Kommentare

  1. Oh, das klingt nach guter Urlaubslektüre (wenn ich zwischen Kind-aus-dem-Pool-fischen und Mann-zum-Eincremen-animieren mal ein paar Minütchen zum Lesen erübrigen kann)!

    Danke für den Tipp und die schöne Rezension!

    Liebe Grüße, Biene

    • Hallo Biene,
      als Urlaubslektüre könnte das Buch durchaus nützlich – unterhaltsam ist’s nämlich sehr! ;)
      Also sofern der stressige Urlaub es natürlich hergibt.

      Liebe Grüße, Johnny

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