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Prügelstrafe? Gewalt gegen das eigene Kind? Niemals,.. oder?

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Ich wurde von vom Bloggerkollegen dads-finest bzw. Sven dazu eingeladen, mich zum Thema Prügelstrafe bzw. Gewalt gegen Kinder zu äußern. Meine Position zu beidem ist jedoch so perlenklar, man könnte sie in einem einzigen Satz zusammenfassen und hätte dennoch alles gesagt. Da mir das Thema immer wieder in meinem Alltag begegnet, ergeben sich für mich dann aber doch noch einige Fragen.

Gewalt gegen Kinder kann viele Formen annehmen. Erst kürzlich wurde ein Vater zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er sein Kind blind und taub geschüttelt hat. Die Mutter musste wegen unterlassener Hilfeleistung 300 Euro Strafgeld zahlen, da sie ihrerseits sage und schreibe sieben Stunden wartete, bis sie dem krampfenden Kind den erlösenden Notruf gönnte.

Beide Formen von Gewalt sind mir in meinem Leben als Vater zum Glück bisher völlig fremd geblieben. Rikes Blog auf eltern.de ging vor einiger Zeit schon unter anderem der Frage nach dem „Klaps auf dem Po“ nach und kam zu dem Schluss, dass auch dies eine Form von Gewalt sein kann.

Gewalt bzw. strafende Prügel ist gemeinhin keine geeignete Methode, um Kinder zu erziehen. Tränen erziehen nicht, sondern sie traumatisieren. Prügeln schafft Angst und Angst, das kann hoffentlich jeder nachvollziehen, ist der denkbar schlechteste Verbündete für ein Kind. Ein Blick auf unsere Straße offenbart jedoch, dass es noch immer eine gewisse Anzahl von Eltern gibt, die mit Gewalt am Kind, wie sag‘ ich’s am besten.. operiert. Und das in aller Öffentlichkeit. Wer weiß also schon, wie viel häusliche Gewalt es hinter deren vier verschlossenen Wänden zu entdecke gäbe?

Das Raubtier in mir

Persönlich neige ich nicht zum Jähzorn, es ist eher die Ungeduld, die mich so manches Mal an den Rand des Wahnsinns treibt. Das ist mir bewusst. Was mich ein wenig beunruhigt, ist etwas anderes. Des öfteren schon habe ich gehört, dass Männer gewaltförmiges Verhalten dann gezeigt haben, nachdem sie Vater geworden sind. Sie beginnen, ihren Frust, ihre Überforderung, ihre Enttäuschung vielleicht auch an Kind und Partnerin auszulassen. Sie beginnen, sie nach und nach zu isolieren, um sie derart einfacher kontrollieren zu können. Wie Raubtiere um ihre Opfer kreisen, bevor sie zuschlagen, so kreist der Vater um die Familie, die eigentlich gar keine mehr ist. Es hat einen triftigen Grund, warum Frauenhäuser regen Zulauf haben. Gewalt in der Familie ist noch immer keine Seltenheit.

Was also, wenn dieses Gewaltpotential auch in mir schlummert, – immerhin bin ich jetzt auch Vater. Natürlich bin ich davon überzeugt, niemals gewalttätig zu werden. Kann ich mir dessen aber wirklich sicher sein? Als Vater bin ich weder Opfer meiner Veranlagung, noch bin ich Opfer der Umstände. Was aber, wenn es einfach so ausbricht – in einem unbedachten Moment? Vielleicht, weil ich frustriert bin oder hilflos? Oder beides. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht später, wenn meine Tochter älter und trotziger wird?

Oft schon, vor allem in den Anfangsmonaten war ich frustriert. Frust wird bekanntlich zu Aggression. Wie hoch aber muss die Schwelle sein, die man überqueren muss, um gewalttätig gegenüber dem eigenen Kind zu werden? Oder gegenüber der Partnerin? Wann wird aus einer Affekthandlung strukturiertes Verhalten? Empfinden prügelnde Väter ihrerseits Reue, abseits von rechtlichen Konsequenzen? Empfinden sie ihre Ausbrüche als gerechtfertigt, weil sie der Meinung sind, die Situation oder Person zwinge sie dazu?

In meiner Kindheit

Ich bin mehr oder minder antiautoritär erzogen worden und konnte mir auch aufgrund anderer Umstände viele Freiheiten erlauben. Zwar würde ich dieses Erziehungsmodell mit meiner Tochter heute nicht mehr leben wollen, dennoch hat es mich gelehrt, mit den Menschen nachsichtiger zu sein. Auch, weil man viel Nachsicht mit mir hatte. Das zumindest weiß ich heute als Erwachsener und ich weiß es zu schätzen.

Körperliche Gewalt kam in meiner Kindheit nicht vor. Mit einer einzigen Ausnahme. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Stiefvater mich geschlagen hat, wenn er nicht weiter wusste. Einmal jagte er mich sogar durch den Park. Heute würde ich sagen, das Raubtier in ihm war erwacht. Das habe ich ihm sehr übel genommen. Ich habe mir damals geschworen, dass ich ihm das niemals verzeihen würde. Und ich habe Wort gehalten und das bis zum heutigen Tag. Und außer dieser einen Jagdszene habe ich fast keine aktive Erinnerung mehr an ihn. Nein, Gewalt erzieht nicht, Gewalt traumatisiert.


Die Blogparade „Prügelstrafe: Hiebe statt Liebe“ bei dads-finest läuft noch bis September.

13 Kommentare

  1. Da muss ich doch mal sagen: Die Blogparade finde ich richtig gut!
    Es ist wichtig, dass solche Themen immer wieder überdacht werden und vor allem mehr in die Öffentlichkeit kommen. Ich bin immer noch fassunglos, dass da Menschen draußen gibt, die ihre Kinder schlagen und kann das einfach gar nicht nachvollziehen. Ein Klaps auf den Po gehört nicht unbedingt für mich dazu. Auch, wenn es das hier nicht gibt. Bei uns gibt es nur den Klaps auf die Hand, wenn die Finger zum 4. Mal an die Schublade gehen, die absolut nicht für unseren Sohn bestimmt sind. Und das nicht doll. Und das reicht schon aus um ihm zu zeigen, dass er das nicht darf.
    Ich finde es wichtig, dass er dieses Verständis bekommt, dass er nicht ungefragt an alle Schubladen gehen darf. Bei uns zuhause hält er sich auch daran. So ist es, dass wir vor keinem einzigen Schrank irgendeine From von Sicherung haben. Bei der einen Oma darf er überall ran, da werden dementsprechend die Schränke ausgeräumt („Wieso… er darf da dran, er ist ja noch so klein… die anderen wissen ja, dass die da nicht bei dürfen“ – ah ja…). Aber niemals würde ich auf die Idee kommen unseren Sohn zu schlagen.
    Und es wäre für mich immer, bedingungslos ein Grund jemanden den alleinigen Umgang mit unserem Sohn zu verbieten, sobald ich das mitbekommen würde. Zu 100% vertrete ich da meine Meinung und würde sie wirklich jedem Gegenüber durchsetzen.

    • ispida sagt

      Hanna,

      „Klaps“ hört sich so harmlos an. Es ist und bleibt aber ein Schlag. Und „nicht doll“ ist ja auch relativ. Wo genau ist die Grenze zwischen Klaps und Schlag? Und warum unterscheidest Du zwischen einem Klaps auf die Hand und einem auf dem Po?!

      Gibt es den Klaps auch, wenn Dein Sohn nicht an den Herd gehen soll? Oder an den Fernseher? Warum ausgerechnet „nur“ an den Schubladen? Muß man seine körperliche Überlegenheit einsetzen, um ein Kleinkind daran zu hindern, irgendwelche Schubladen zu öffnen?! Was ist das Probem an einer Schubladensicherung? Räum den „verbotenen“ Kram doch einfach weg.

      Ich bin überzeugt davon, daß ein Klaps überhaupt nichts bringt. Denn euer Kind lässt nicht deshalb die Finger von der Schublade, weil er fremdes Eigentum respektiert, sondern weil er Angst vor der Strafe hat. Auch wenn Du es Klaps nennst, ist ein körperlicher Übergriff für das Kind demütigend und erniedrigend.

      ispida

      • Also ich bin ja gerade erschrocken, was mir da unterstellt wird. Er respektiert die Sachen wohl! Und es hat nichts mit dem Klapps auf die Hand zu tun. Und so eine Schubladensicherung kommt mir nicht ins Haus. Was zeigt man denn den Kindern damit? Das sie an alle Sachen randürfen, wo sie auch rankommen? Wie ich finde Blödsinn. Dann muss ich ja alles gefährliche abriegeln. Dem Kind auch keine Tassen und Tellern mehr benutzen lassen.

        Es gibt halt Grenzen. Sachen für Kinder. Und ganz einfach auch Sachen für Erwachsene. Und mittlerweile geht er nicht an Schränke. Bei uns an die „verbotenen“ Schränke nicht. Und bei Bekannten auch nicht. Und das Verhalten finde ich richtig. Er fragt, ob er rangehen kann. Und wenn dann ein Nein kommt, dann ist das auch in Ordnung.

        Ich lass ja auch nicht all meinen Besuch hinter jede Türe schauen. Warum sollte ich das gegenüber meinem Kind tun? Genauso, wie Kinder auch ihre Geheimnisse haben. Wenn sie größer sind. Das gehört dazu!

        ich hatte auch geschrieben, dass der „Klaps“ erst dann kommt, wenn wir ihn 4 mal Ermahnt haben und Erklärt haben, dass wir das nicht möchten. Also bitte. Wir gehen mit unserem Kind so um, dass wir in erster Linie mit ihm Reden und es erklären. In 70% der Fälle lässt er es dann auch sein. Bei insgesamt 10% fordert er uns aber heraus und testet seine Grenzen. Und ganz ehrlich? Wir sind die Erwachsenen. Und legen damit auch seine Grenzen fest, damit er behütet und Sorgenfrei aufwachsen kann!

    • Kati sagt

      Danke ispida, dem schließe ich mich vollumfänglich an. Finde es außerdem auch fragwürdig, was man seinem Kind vorleben möchte. Dass man anderen Menschen einen Klaps geben darf, wenn diese sich nicht so verhalten, wie man sich das vorstellt?

    • Hi Hanna,
      vielen Dank für Deinen Input!
      Die Blogparade ist in der Tat spannender, als anfangs gedacht hehe..
      Grenzen sind wichtig. Das scheint vor allem bei Schwiegereltern und vor allem Großeltern noch nicht ganz angekommen zu sein. Zum Glück wohnen sie im unserem Fall so weit weg, dass es fast gar nicht auffällt ;)

      Liebe Grüße, Johnny

  2. Mein Mann ist von seinem Vater verprügelt worden und von seiner Mutter immer in einen dunklen Keller eingesperrt worden. Heute ist er Mitte 40 , die Schwiegereltern sind Tod und er spricht noch immer davon. Er wurde für die kleinsten Kleinigkeiten mit Ledergürtel, Knüppel geschlagen. Und in der Schule ging es dann weiter: Sein Lehrer in der Grundschule war auch so ein Tyrann, der die Kinder verprügeln durfte. Wehe, man erzählte was zu Hause.
    Das letzte mal hat mein Schwiegervater die Hand gegen ihn erhoben, da war er 18.
    Und ich komm aus einer Familie, wo nie geschlagen wurde. Als unsere Kinder geboren wurden, sagte mein Mann immer zu mir, dass er nie etwas anderes gesehen hätte als Jähzorn, Schreien, Schlagen…ich müsse ihm helfen aus ihm einen tollen Vater zu machen. Und er ist der tollste Vater geworden. Er hat noch nie die Hand gegen eins unsere Kinder erhoben.

    • Baby sagt

      Ich finde es sehr mutig von deinem
      Mann, dass er das so offen anspricht und seine Ängste äußert. Nur so werden diese Spiralen unterbrochen.

    • Hallo Niggelo,
      vielen lieben Dank für Deinen überaus persönlichen Kommentar.
      Ich schließe mich dem an, was „Baby“ gesagt hat. Es war wahrscheinlich nicht einfach für Deinen Mann 1. durch diese Kindheit zu gehen und 2. mit dieser Erfahrung heute selbst Vater zu werden. Wahrscheinlich aber ist offener Umgang der einzige Weg, sich dieser Vergangenheit zu stellen, um nicht die gleichen Fehler zu begehen.
      Mir ist dieses Schema durchaus bewusst, da auch ich mir geschworen habe, nicht die gleichen Fehler zu machen wie meine Mutter – auch wenn diese nichts mit Gewalt zu tun hatten.
      J.

  3. Hannah sagt

    Ich bin mir der gelegentlichen ‚Watschen‘ aufgewachsen, ich habe mir immer geschworen es anders zu machen als meine Mutter und hab ihr das irgendwie immer übel genommen. Heute muss ich ganz ehrlich gestehen, ist mir auch schon das ein oder andere Mal die Hand ausgerutscht, wonach es mir immer wirklich schlecht geht und ich mich bei meinem Kind entschuldige. Aber ich verstehe jetzt warum das passiert, bei den meisten Eltern ist das keine absichtliche Gewalt, es ist eine Kombination aus Überforderung, Kurzschlussreaktion und dem aus der eigenen Kindheit ‚gelerntem‘ Verhalten. Das macht es nicht besser, schließlich sollen und wollen wir aus den Fehlern unserer Eltern lernen, aber es erklärt so einiges. Ich bin meiner Mutter heute auch nicht mehr Böse, im Gegenteil, als Kind sieht man oft nur einen kleinen Ausschnitt des Lebens, jetzt wo ich weiß welche Lasten meine Mutter damals alleine stemmen musste, und wie sehr sie leise litt, tut sie mir eher Leid. Wie bei allem gibt es immer zwei Seiten der Medaille, aber Gewalt an Kinder rechtfertigt das natürlich immer noch nicht.

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  6. Hallo Johnny,
    vielen Dank für Deinen tollen Text. Du zeigst schon allein durch das Reflektieren Deiner Gefühlsabgründe, dass Du nicht gefährdet bist, ein typischer gewalttätiger Vater oder Partner zu werden. Männer, die innerhalb ihrer Familie gewalttätig werden, stellen ihr Handeln eher selten in Frage, sondern geben der Partnerin oder sogar den Kindern die Verantwortung für ihr Verhalten. In einer Therapie müssen sie als alleererstes die volle Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Sonst hilft da gar nichts. Und zu einer Therapie sind eher sehr wenige bereit, denn die Partnerin ist ja Schuld und sie muss zur Therapie – wenn überhaupt. Damit kommen viele sehr lange durch, weil die Dynamik einer Gewaltbeziehung dazu führt, dass das Opfer sich verantwortlich fühlt. Nach einer Trennung sucht der unschuldige Gewalttäter sich ein neues Opfer.

    Im übrigen bricht familiäre Gewalt nicht einfach so „über Nacht“ oder „im Affekt“ aus, sondern hat häufig schon eine längere Vorgeschichte in Form von zunehmender psychischer Gewalt. Die Geburt eines gemeinsamen Kindes oder eine Hochzeit oder ein Zusammenzug ist durch die steigende Abhängigkeit der Partnerin häufig eine Schwelle, hinter der erste körperliche Übergriffe erfolgen können.

    Das Ausüben von Gewalt ist IMMER eine Entscheidung und erfolgt bei Partnerschaftsgewalt nicht im Affekt, sondern sehr gezielt – häufig sogar nur an bestimmten Personen der Familie.

    Herzliche Grüße
    Rona

  7. Annika sagt

    Danke für den Text und ich stimme Rona zu: solange wir reflektieren, hält sich die Gefährdung meiner Meinung nach in Grenzen. Ich versuche mittlerweile auch meine Sprache stärker zu reflektieren. Ich wurde in meiner Kindheit nie geschlagen, habe aber trotzdem Situation erlebt, die ich im Nachhinein als sehr erniedrigend erlebt habe durch Sätze wie „wirst Du denn NIE lernen, dass…“/ „Du hast alles verdorben“/ „wie oft muss ich Dir noch sagen,…“/ „IMMER machst/ bist Du…“ und viele weitere Beispiele. Am Ende hatte ich das Gefühl, meinem Vater nie genügen zu können, egal wie sehr ich mich anstrenge. Nun schleichen sich natürlich selber solche Sätze in meinen Kopf, aber ich versuche, sie gegenüber meiner Tochter nicht zu wiederholen und nur für mich zu reflektieren und zu fragen, woher das jetzt kam und welche Stimme da in mir spricht. ich beschäftige mich dafür ein bißchen mit gewaltfreier Kommunikation (aber eher so für mich, da ich generell keine Elternratgeber lesen möchte). ich hoffe, es gelingt mir, es bei meiner Tochter besser zu machen, aber trotzdem klare grenzen aufzuzeigen

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