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Blog-Parade: Mommy wars

spielplatz

Als Vater bin ich kürzlich fünf Monate alt geworden. Ich kann mich von meinem Rücken behende auf den Bauch drehen und ich schnappe nach Allem, was man mir vor die Nase hält. Dies ist also ein neuväterlicher Beitrag zur Blog-Parade „Mommy wars“, gestartet von MamaOTR, Muffinqueen und momsoffice. Gleichzeitig ist’s auch mein erster Marsch auf einer Parade. Soviel Neues, also los geht’s!

Mommy wars und keiner geht hin?

Mommy wars. Im Gegensatz zu den drei „Star Wars“-Filmen, die bildlich zwar großartig, deren Dialoge stellenweise jedoch kaum auszuhalten sind, scheinen die Dialoge der so genannten ‚mommy wars‘ indes sehr viel realer, jedoch kaum glaubwürdiger zu sein. Bis mir ein merkwürdiger Gedanke in den Sinn kommt: Hat George Lucas nicht vielleicht auch beim Beginn der mommy wars seine Finger im Spiel gehabt? Damals, in Amerika? In seiner eigenen Familie? Es würde vieles erklären.

Aus eigener Anschauung kenne ich diese ‚mommy wars‘ noch nicht, wenngleich mir durchaus bewusst ist, dass ich irgendwann, spätestens zwischen Schaufel und Schaukel, umringt von Spielplatzeltern, nicht immer nur auf mein Handy und auf Twitter werde starren können. Ich werde selbst als Vater irgendwann in diesen Krieg hineingezogen werden. »Stell’ Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin, dann kommt der Krieg zu dir.« Das sollte man bei allem Pazifismus immer im Hinterkopf behalten. Eines Tages wird er kommen, dieser Tag.

Über das Verunsichertsein

Die Grundnatur des Elternseins ist das Verunsichertsein. Das ist wenigstens meine ganz persönliche Einschätzung. Angetrieben wird diese Erfahrung durch Ratgeber, Hebammen namens Gabi, urbane Globuli-Legenden und so genannter näherer Verwandtschaft. Und wie lässt sich dieses Verunsichertsein scheinbar am Besten überspielen: Durch das Anpreisen der rasanten Entwicklung des eigenen Nachwuchs vor völlig Fremden – natürlich. Über Fremde kann man sich noch am leichtesten erheben. Was aber tragischerweise niemand zu ahnen scheint: ein hoch begabtes oder wie in unserem Fall hoch sensibel veranlagtes Kind ist kaum dazu geeignet, parent wars zu führen. Eltern solcher Kinder wissen das.

Könnte dieses Überhöhen des Nachwuchses nicht bloß eine Übersprungshandlung sein? Sind diese KriegstreiberInnen in ihrem Innersten nicht vielleicht doch freundliche Wesen, die manchmal gar nicht wissen, wie sie mit der eigenen Unsicherheit umgehen sollen? Nicht, dass sich über andere erheben ein feiner Charakterzug wäre, aber wer frei von Sünde ist, der werfe das erste Schwein. Oder bin ich naiv und es gibt diese durch und durch sadistischen Mütter wirklich? Ist es vielleicht gar eine Neiddebatte? Von meiner eigenen Mutter weiß ich, dass sie ihren eigenen Sadismus manchmal selbst für Freundlichkeit hält. Das gibt mir manchmal zu denken. Manchmal, wenn sie wieder weit weg ist. Und ich sie nicht davon abhalten muss, dem vollgestillten Baby schokolierte Ananasstücke in den Zwei-Zähne-Schlund schieben zu wollen.

Ausblenden als Prinzip

Ich habe gelernt, wie man in gewissen Situationen mit Menschen sprechen muss. In Geiselnahmenszenarios zum Beispiel. Oder unter Raketenbeschuss. Ich habe auch mühsam gelernt, dass man nicht alles persönlich nehmen darf. Ich befürchte, dass dieses Wissen auf dem Spielplatz eines schönen Tages wieder zum Einsatz kommen wird. An der Schaukel vielleicht. Elternkriege, welch absurder Gedanke, der mir vielleicht mehr über diese Stadt verrät, als mir lieb ist. Hätte mir das jemand von 10 Jahren prophezeit, ich hätte denjenigen in die stabile Seitenlage verfrachtet und kurzerhand die Kollegen vom Landeskriminalamt gerufen.

In der Liebe ist angeblich alles erlaubt, spätestens beim Elternsein wird’s dann aber doch kompliziert. Ganz so, als seien dies zwei völlig verschiedene Dinge. Was stelle ich also als Vater mit einer Ahnung von dem, was in Müttern und Vätern eventuell vor sich geht (oder auch nicht) an? Konfrontation ist mein ureigenster Impuls, erzeugt oft jedoch Abwehr und die bringt weder den Etappensieg noch Erfahrungspunkte. Ergo behalte ich mein ohnehin nur gefühltes Wissen erst einmal für mich. Meine andere Stärke ist das Ausblenden, das Ablenken. Das hilft manchmal, etwas Nettes in dem Menschen zu finden. Nicht immer gelingt das, manchmal aber doch.

Nicht Teil des Ganzen

Doch wenn man ehrlich ist, der Spielplatz ist nur ein Spielplatz und keine Vorhölle, kein vorweg genommenes Utopia und auch nicht die Stellprobe für das Jüngste Gericht. Das gilt auch für alle anderen Orte, an denen sich Eltern teils freiwillig über den Weg laufen: Mamatreffs, Stillcafés oder Papaläden. Ich sage, als Eltern ist man nicht Teil eines Ganzen. Es gibt dieses Ganze nicht und auch keine ganzheitliche Elternerfahrung. Theoretisch teilt man einen Anteil jener Erfahrung. Mehr aber auch nicht. Manchmal reicht dieser Anteil als Grundlage, sich mit Anderen zusammenzutun. Manchmal, und so ehrlich muss man manchmal sein, manchmal reicht es nicht.

Will sich jemand über mich oder meine Tochter erheben, halte ich das aus, weil ich ahne, dass es mit mir überhaupt nichts zu tun hat. Mein Wohlwollen und meine Sympathie gewinnt man derart nicht. Das Schöne daran ist: Mütter und Väter, die sich über Andere erheben und sich von Anderen abgrenzen müssen, weil sie so ihre eigene Verunsicherung überspielen oder, weil sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen, auch die werden andere Eltern finden und sich mit denen zusammen tun können. Niemand muss alleine bleiben. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Niemand muss sich gefallen lassen, wenn Andere sich für etwas Besseres halten. Soweit zumindest die sandkastenferne Theorie.

3 Kommentare

  1. Ein schöner Beitrag zu unserer Blogparade „Mommy Wars“. Vielen Dank fürs Mitmachen.
    Ich teile Deine Gedanken, habe ich mir doch schon Ähnliche gemacht;-) Man muss sich nicht alle Weisheiten der anderen zu Herzen nehmen und sich selbst und die eigene Erziehung in Frage stellen, wer weiß, welche Problemstellungen das Gegenüber hat;-)
    Du scheinst sehr gut gewappnet zu sein, für das, was da noch auf Dich zukommt. Und Gleichgesinnte findet man, wenn man sich gegenseitig und das jeweilige Andersein und -handeln aktzeptiert.

  2. Sorry, dass der Kommentar erst jetzt kommt! Dein Beitrag hat mir sehr gefallen. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Deine Mutter versucht, die Ananasstücke in den Mund Deiner Tochter zu schieben. ;-)
    Dein Schreibstil ist echt toll, Du schreibst sehr differenziert und eloquent. Komme jetzt regelmässig vorbei – ohne Ananas, versprochen!

  3. Pingback: Erkenntnisse zu den Mommy Wars – Auswertung der Blogparade - Mama on the rocks

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