Medienthemen, Papa-Blog
Kommentare 5

Meine Tochter beim „Bachelor?“

Bachelor

Wenn es Nacht wird und das Baby schläft, der Wedding sacht zur Ruhe kommt und Blaulicht für Romantik sorgt, dann wandern mir manchmal ganz seltsame Dinge durch den Kopf. Manchmal wird’s gar abstrus. Wie würde ich zum Beispiel wohl als Vater reagieren, würde meine Tochter an der schmutzigsten Königin aller Sex-Anbahnungs-Reality-Serien „Der Bachelor“ teilnehmen?

Der Bachelor, oder: warum nur, warum?

Um das vielleicht gleich zu Anfang klar zu haben: es könnte auch irgendeine andere Wiedergeburt jenen TV-Formats sein, bei dem für monetäre Gegenleistung sich Mädchen zu verlieben glauben. Glaube versetzt ja bekanntlich nicht nur Hormonberge. Eine Schminkpistole auf „Prostituierte“ gestellt und abgedrückt scheinbar aber auch. Vor allem bei angeblich echten Männern, denen es gar nicht billig genug sein kann.

Stünde mir diese Situation ins Haus, würde ich es mir wirklich anschauen wollen, wie meine Tochter sich durch die Fernsehrealität bewegt? WWTSD? What would Tony Soprano do? Ist es dann besser sich dem zu stellen, als überhaupt daran nicht teilzuhaben? Wäre ich so vorauseilend verständnisvoll, wie die in der Sendung portraitierten Eltern, die gänzlich schmerzbefreit Nacktbilder ihres Nachwuchses unter Freunden und Kollegen verteilen? Nun, vielleicht gibt es Grenzen. Irgendwo jwd, wie wir hier sagen. Also janz weit draußen.

Was wäre mit bloß meine Tochter los? Warum glaubte sie, sich bis zur Unkenntlichkeit schminken und einer TV-Chimäre hinterherlaufen zu müssen? Der Bachelor trinkt Kapselkaffee, so wie der Rest von uns. Und was kommt nach dem letzten Drehtag, was kommt danach? Ist das möglicherweise der mediale Startschuss einer Serie, in der selbst „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ nicht als Tiefpunkt überrascht, sondern bloß weitere Episode in einer Reihe aus Tiefpunkten wäre? Sollte man seine Tochter nicht davor schützen? Und wenn ja, wie ginge das? Mit Stubenarrest vielleicht? Oder der guten, altbewährten Klosterschule? Stubenarrest in der Klosterschule, das wär’s doch.

Als Vater braucht es kein ‚warum‘

Tief Luft holen, den Wahnsinn kurz vor die Tür begleiten. Sorry, alter Freund, aber heute nicht. Meine Tochter wäre zum Zeitpunkt ihrer fiktiven Teilnahme am „Bachelor“ ohnehin alt genug und bräuchte keinen Vater, der ihre Pläne kritisch beäugt. Ich bin ja bekanntlich auch gar nicht Tony Soprano, der alte Mafiahaudegen. Noch nicht jedenfalls. Und es könnte ja immer auch schlimmer kommen. Sie könnte sich zum Beispiel einem mittel begabtem Fussballspieler an dessen funktionslosen Hals werfen und sagen wir mal, Spielerfrau werden. Oder schlimmer noch: Spielerfrau eines FC-Bayern-Profis. Oder von Manuel Neuer.

Also bleibt doch am Ende des Tages trotz aller Vorbehalte nur eine Option für ihren Papa übrig: Beißschiene einlegen, Hacken zusammen, skol! und die Tochter nach Kräften unterstützen! Sie lehren, wie man Türen korrekt öffnet, wie man Treppen steigt und wie man sich vor allem unfallfrei aus Limousinen robbt. Auch, dass rote Rosen nichts anderes als totes Gestrüpp sind und plumpnuttig roter Lippenstift sie auch nicht zur Tochter von Heidi Klum macht. Sorry, Kleines. Und wenn es wirklich rote Lippen sein sollen, dann gibt es beim MAC Deines Vertrauens sehr viele schönere Optionen mit Stil. Bitte, gerne.

Wobei ich gestehen muss, rhetorisch haben die Zirkuspferde von RTL dem „Bachelor“ doch einiges beigebogen. Selbst, wenn es oft völlig inhaltsbefreit daherkommt, manchmal klingt es doch ganz nett, was der Herr da dampfplaudert. Zum Abendessen dürfte er jedenfalls bleiben, um 22:00 Uhr aber wäre dann Schluss. Kein gemeinsamer Whiskey, keine Zigarre, sondern nur ‚Bye, bye‘. Und will er nicht gehorchen, dann kann er gerne wissen: die alte Winchester im Flur wartet, ganz gemäß dem traditionellen Vätermotto: „Guns don’t kill, Dads with pretty daughters do“ – zumindest, bis sie selbst den Abzug betätigen kann.

Dein Tony Soprano

5 Kommentare

  1. Ich esse manchmal im Schlafanzug auch Fenchel Salami vorm offenen Kühlschrank. Ich habe drei Söhne
    Aber diese Gedanken kenne ich trotzdem!

    Das wird schon

    • Haha.. Fenchelsalami essen? Im Halbschlaf, im Schlafwandel oder richtig wach?

      Gut zu wissen, dass ich nicht der Einzige bin, der solche Gedanken hat / hatte. ;)

  2. Niggelo sagt

    So in etwa hat mein Bester auch gesprochen. Als es dann soweit war, und das erste Moped anknatterte, der erste junge pickelige Kerl auf unserem Sofa, auch noch auf dem Platz meines Mannes sass, da sprach er kein Wort mit ihm. So habe ich meinen Mann noch nie erlebt: sprachlos! Er platzte vor Eifersucht. Der arme Junge konnte ihm nichts recht machen, das ganze hielt sich etwa so 6 Monate. In der ganzen Zeit hat er nur das Nötigste mit ihm geredet.

    • Ich knirsche kurz mit den Zähnen und gebe zu, so ein Szenario würde ich mir auch zutrauen. Hmpf. Aber mal ehrlich. Wenn sich der Typ direkt auf meinen Platz setzt, dann hat er sich den Ärger aber auch verdient. Man besetzt nicht einfach den Platz des Silberrückens. Im Rudel herrschen nämlich strenge Regeln.

      Ich hoffe, bei euch ist’s dann doch noch gut ausgegangen! ;)

  3. Pingback: Meine Tochter beim "Bachelor"?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.