Mama-Blog
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Aus Muttersicht: Das Baby vegetarisch ernähren?

MrLapinsky

Auf dem Gebiet der Baby- und Kinderernährung begibt man sich auf dünnes Eis, wie mir scheint. Es beginnt  bereits bei der Frage „Stillen oder Flasche?“ und geht dann weiter mit der Frage „Langzeitstillen, Brei oder BLW (baby led weaning)?“ Und jeder möchte mitreden. Aber es ist noch nicht genug, dass man sein Umfeld mit den verschiedenen Breien belastet, die nach Möglichkeit bitte keinen zusätzlichen Zucker enthalten sollten. Nein. Wir gehören zu der ganz miesen Sorte Eltern. Wir sind Vegetarier (im Film käme hier ein eingespielter Schrei, Blitz und Donner).

Vegetarisch zufüttern

Schon in der Schwangerschaft musste ich mich befragen lassen. Ich saß in einem dunklen Raum auf dem einzigen Stuhl und wurde von einem hellen Spot bestrahlt. Derweil von allen Seiten Stimmen: „Isst du nun wieder Fleisch? Das ist wichtig wegen dem Eisen für dich! Wird dein Baby auch Vegetarier? Das geht nicht, Babies und Kinder MÜSSEN Fleisch essen, wegen dem Eisen!!“

Ich muss ja sagen, Johnny ist hier eher der Ökotrophologe. Egal welche Altersklasse es betrifft. Er übernahm schon die Führung in Nährstofffragen in der Schwangerschaft. Er ist auch der einzige, der mitreden darf. Denn irgendwie verbirgt sich hinter seinen Ratschlägen eine unbestechliche Logik. Ich bin ja eher ahnungslos und restlos davon überzeugt, dass er die bessere Mutter wäre. Ginge es nach mir, würde mein Baby einfach alles Mögliche in die Hand kriegen und gucken, wie es damit klarkommt. Klar, man braucht keinen Brei, das hab ich jetzt auch schon gelernt. Wenn Muttern aber relativ schnell wieder arbeiten gehen möchte, bevor das Baby mit Messer und Gabel umgehen kann, dann ergibt er durchaus Sinn.

Vegetarisch zuhause. Und auswärts?

Ich bekomme ständig vorgeworfen, ich würde dem Kind etwas vorenthalten, wenn ich es fleischlos ernähre. Damit kann ich leben. Denn, was keiner weiß: ich werde meinem Kind auch andere Dinge wie z.B. Rote Beete oder Eier in Senfsoße vorenthalten. Es gibt Dinge, vor denen sollte man sein Kind schützen. Wie püriertes Fleisch. In jeglicher Form. Auch später als Tee- oder Leberwurst oder Pastete oder roher Bratwurst. Auch wenn ich diese Dinge als Kind gegessen habe, so möchte ich mich heute in Erinnerung daran schütteln. Insbesondere, wenn man bei der Herstellung dieser Produkte mal dabei war. Mein Kind bekommt das, was wir essen. Tendenziell also eher kein Fleisch. Zu Hause. Wenn es leckere Hähnchenflügel mit Ketchup und Pommes auf einem Kindergeburtstag bekommt: who cares. Sie kann es probieren.

Vielleicht schmeckt es ihr ja? Wer weiß? Aber das entscheidet sie dann. So wie ich mich irgendwann entschieden habe, Vegetarier zu werden, kann sie sich irgendwann entscheiden, Fleisch zu essen. Am Stück. So zum Kauen und so. Schlussendlich ist es nämlich genauso wie in Haushalten, in denen Fleisch gegessen wird. Das Kind bekommt das vorgesetzt, was die Eltern essen und können nicht allein entscheiden. Dennoch stehen viele kruzifixbewehrt vor mir und wollen mir den Teufel aus dem Leib treiben. Sollen sie´s versuchen.
Eure Emily Rose.

11 Kommentare

  1. hallo, schöner text und soo typisch.. ich selbst bin seit 12 jahren vegetarier, meine tochter (12) und mein sohn (4) sind es beide ebenfalls..
    während ich bei meiner tochter am anfang noch fleisch gefüttert haben, bin ich nach ca 2 jahren dazu übergegangen, sie vegetarisch zu „erziehen“. hat auch geklappt – bis jetzt :-/
    seit die pubertät so richtig losgeht, hat sie das gefühl, FLEISCH zu benötigen.. und zwar in großen mengen!
    es war eine riesige umstellung, begleitet von anfänglichem unverständniss und auch so was wie ekel – ich brate hier auch kein fleisch und alles, was man irgendwo rausdrücken muß, kommt mir auch nicht ins haus!
    jetzt ist es ok und ich versuche, ihren fleischkomsum etwas einzugrenzen :-)
    bei dem BENGEL war es so, daß ärzte meinten, man könne ein baby nicht vegetarisch ernähren – geht doch.. bücher lesen, sich mit der materie kind und vegetarismus beschäftigen und vielleicht den kinderarzt mal schauen lassen, ob ein mangel vorliegt.
    der BENGEL ist „vollblutvegetarier“, er kümmert sich bei festen im kindergarten selbst drum, daß er kein tier ißt :-)
    obwohl er schon gesagt hat, das tote tiere ja doch ganz gut riechen … :-)

    • Baby sagt

      Hallo Mama Eva,
      danke für dein Feedback. :) Die Pubertät ist wohl ein ganz heißes Pflaster, das habe ich mir nun auch schön öfter sagen lassen. Ich bin mit Anfang der Pubertät zum Fleischverweigerer geworden. Vielleicht auch ein Abgrenzungsprozeß? Wer weiß.
      Ekel vor Fleisch existiert bei mir nun weniger. Ich arbeite viel mit Tieren und auch die Fleischverarbeitung, Schlachtung, etc ist mir nicht fremd. Essen ist etwas anderes. Ich kann es sogar zubereiten (anders als Johnny). Aber wenn ich drumrum komme… naja, ich streite mich nicht drum, sagen wir so :)

  2. Ich find eure Einstellung echt super. Denn im Prinzip ist es auch nichts anderes was alle machen: zu Hause gibt es das, was Mama und Papa mögen. Und wenn das vegetarisch ist – who cares? Ist bestimmt gesünder und frischer als das, was es bei manch anderen Familien gibt.

    Wir essen Fleisch und leider auch sehr gerne. Auch wenn wir uns bemühen, dieses nicht zu oft und nur bewusst und regional einzukaufen. Aber ein Kind mag ja auch nicht bekanntlich das, was Eltern mögen. In den ersten zwei Jahren hat unser Sohn wenig Fleisch und Wurst gegessen – so rein kautechnisch schränkte es sich mit Bratwurst und Frikadelle ein (kennt man ja vielleicht noch, wenn als Kind das Stück Braten im Mund immer größer und größer wurde – igitt). Er mochte viel lieber Obst und Gemüse (neben den ungesunden Süßen-Sachen versteht sich).

    Außerdem: die Gläschen mit Fleisch sind auch echt zum abgewöhnen. Ich hatte am Ende der Breitet einen richtigen Enkel davor und werde die wohl bei zweiten Kind auch etwas aussparen.

    Von daher glaube ich, dass es in den ersten Jahren fast normal ist, wenn das Kind fleischlos lebt ;) Im Kindergartenalter werden die Karten eh neu gemischt (da hat man dann leider ja nicht mehr so viel Einfluss auf das Essen).

    • Baby sagt

      Hallo Marsha,
      auch dir danke für dein Feedback. Ach, gesünder und frischer würde ich nicht sagen. Es gibt hier auch viel Zucker und Fett und die ganzen bösen Dinge, die für Kinder eigentlich nicht so wirklich gedacht sind in rauen Mengen. ;) Daran muss ich arbeiten.
      Aber ja, eigentlich ist püriertes Fleisch eher unnatürlich. Das sollten Kinder tatsächlich erst essen, wenn sie essen können, finde ich. Den Rest kann man ja so weich kochen, dass sie es sich selbst zerdrücken können im Mund.

      Ich bin in jedem Fall gespannt, wie es weitergeht und wie sie sich entscheiden wird.

  3. Hallo!

    Also der Text ist wirklich super. Da kann ich viel wiederfinden :)
    Mein Frühlingskind ist jetzt 7 Monate alt und isst wie ein Mähdrescher alles was ihm in die Finger kommt (oder am Boden liegt, oder in greifbarer Nähe ist, …). Grundsätzlich versuche ich sein essen selbst zu kochen, aber manchmal ist der Griff zum Gläschen einfach zu verlockend, weil so einfach und schnell (das sage ich jetzt mal ganz öffentlich auch auf die Gefahr hin als Rabenmutter in der Hölle zu schmoren :P).
    Irgendwann ist dann natürlich auch das Thema ‚dein Kind braucht Eisen. Gib ihm Fleisch.‘ aufgekommen. Als brave neo-Mama ich natürlich gleich losgedüst um Fleisch-Gläschen zu kaufen (weil laut allgemeiner Meinung das Fleisch selbst zu pürieren unmöglich ist…). Unwissend was auf mich zukommt habe ich das erste Gläschen aufgemacht. Konsistenz: ekelhaft. Geruch: furchteinflösend. Der Mini auf meinem Arm hat allerdings schon den Schnabel aufgerissen und wie wild nach dem Löffel gegriffen. Also Fleisch-Brei rein ins Frühlingskind. Und siehe da: es hat ihm (mir völlig unverständlich) sogar geschmeckt. Nichts desto trotz habe ich nach diesem einen Gläschen den Fleisch-Brei-Wahn abgelegt und ernähre mein Baby jetzt mit dem was gerade da ist bzw. was wir selbst essen.
    Und ganz ehrlich? Kein Baby in unseren Breiten braucht Eisen durch Fleisch. Meine Meinung. Ich stille zusätzlich noch etwas und bin der Meinung, dass das ausreichend ist für die Eisenzufuhr. Abgesehen davon denke ich, dass die meisten von uns sowieso mehr als genug von allen Nährstoffen zu sich nehmen und Mangelerscheinungen bei uns in Österreich/Deutschland nicht an der Tagesordnung ist. Wir sind übersättigt.
    Fleisch zu füttern ist jeder Mama/jedem Papa völlig selbst überlassen. Die meisten Kids zeigen sowieso recht bald was ihnen schmeckt oder eben nicht. Und solange mein Mini sich noch nicht (ausreichend) gebärden kann wird er essen müssen was ich mag und Fleisch-Gläschen gehören da ganz sicher nicht (mehr) dazu :)

    Ganz liebe Grüße,
    Cora

    • Das kommt mir doch bekannt vor! Solange nur beigefüttert wird, sehe ich auch kein Eisenproblem. Später eigentlich auch nicht. Vielen Dank für Deinen Input. :) Gläschen haben wir hier auch in den unterschiedlichsten Ausführungen en gros stehen. Nicht, weil wir sie auf Vorrat gekauft hätten, sondern Freunde und Verwandten sie uns auf Vorrat schenken. Oder schicken. Das ist auch ok, denn im Grunde habe ich nicht viel gegen die Gläschen. Ich bin da nicht so dogmatisch. Mich irritiert nur, wie schnell nach der Karotte, dem Kürbis oder der Pastinanke der Fleischbrei angeboten wird. Nun denn. Mir schmeckt mein selbst gekochter Brei. Das kann ich von den Gläschen nicht immer behaupten. Außerdem kann ich dann später stolz erzählen, dass ich für die Kleene gekocht habe. Das ist es mir wert.

      LG,
      Johnny

    • Hallo Cora,

      ich glaube ja, dass diese Diskussion selbst kochen und bloß kein Fertigbrei einfach daher kommt, dass „Dosenfutter“ allgemein etwas verpöhnt ist. Allerdings kann man die Babygläschen nicht mit Dosenravioli und Konsorten vergleichen, weil dann doch komplett verschieden, deswegen sehe ich da wirklich kein Problem drin, zum Glas zu greifen. Praktisch, einfach, alles drin.

      Ja, Fleischgläschen sind ein bißchen gruselig… aber es gibt so viele gruselige Dinge, die die Kinder gut und lecker finden. ;) Mal sehen, was die Zeit noch bringt. Püriertes Fleisch geht halt gar nicht für mein Gefühl. Mal sehen, wie ich in ein paar Monaten/Jahren/Jahrzehnten (???), über Fleisch am Stück denke für mein Kind. Bei der Herstellung habe ich ja schon zugeschaut. Live und in Farbe. Irgendwie sehe ich das nicht für uns….

  4. Anne sagt

    Ich fand‘ die Kommentare während Schwangerschaft und Stillzeit zu meinem Fleischverzicht auch lästig. Allerdings hat mir das Baby einer Freundin ein Totschlagargument geliefert: Es verweigert eigenständig jedwedes Fleisch oder Fisch im Brei, ist sonst aber alles. Das Detail, welches ich meistens dann doch verschweige, ist, dass der Rest selbst gekocht ist, nur Fleisch/Fischpüree aus einem Gläschen kommt. Mein Freund ist da ehrlicher. Aber bei ihm mischen sich auch nicht ständig alle Welt in sein Leben ein, sondern finden ihn ganz toll, dass er fast ein Jahr Elternzeit genommen hat.

    • Hallo Anne,
      ihr gebt dem Kind also Fleisch, Du selbst isst es aber nicht, habe ich das richtig verstanden? Babys müssen sich häufig erst an den Geschmack von Fleisch gewöhnen, wobei das wohl auf viele andere Lebensmittel auch zutrifft. Mir ist auch schon aufgefallen, dass man mir gegenüber weniger oft kritische Bemerkungen fallen lässt, als gegenüber meiner Freundin. Ich finde das auch lästig, weil ich oft einfach verbal dazwischen grätschen möchte..
      Vielen Dank für Deinen Input und liebe Grüße,
      Johnny

      • Anne sagt

        Nein, mein Zwerg bekommt derzeit kein Fleisch. Erst, wenn er selbst entscheidet, Fleisch essen zu wollen. Allerdings würde er es sicherlich essen, da er alles ist, was wir im vorsetzen.

  5. Annika sagt

    ich find es gut so wie Ihr es macht. Wir Eltern essen beide keine Fleisch und ich wüsste auch nicht, wie ich das zubereiten sollte. ich bin Biologin und habe mir daher irgendwie eingebildet, mich gut genug mit der Ernährungspyramide auszukennen, als mir in der Schwangerschaft/ Still- und Breizeit diese Vorhaltungen gemacht wurden (jaja – immer das Eisen) und konnte das dann ganz gut an mir abperlen lassen. Sie war noch nie blass und energiearm – eher im Gegenteil. Mittlerweile ist unsere Tochter 4 und im Kindergarten gibt es immer ein vegetarisches und ein Fleischgericht. Sie sagt selber von sich dass sie vegetarisch isst UND Fleisch und genau so entscheidet sie auch. Das ist ok und soll sie so weitermachen. Natürlich gibt es oft triumphierende Mütter, die mir nach Kindergeburtstagen sagen: „Deine Tochter hat richtig reingehauen bei den (z.B.) Würstchen“. ich zucke dann nur mit den Schultern und sage dazu dann nicht, dass sie auch zuhause bei den Fleischersatzprodukten richtig reinhaut. denn was Kinder oft lecker finden daran (gerade Wurst etc.), ist ja nicht der Fleischgeschmack per se, sondern eher die große Menge Pökelsalzen und anderen Geschmacksflashs. (ich bin Vegetarierin aus weltanschaulichen Gründen; nicht wegen der Gesundheit, d.h. ich esse gerne auch mal Pommes und Fleischersatz oder andere ungesunde Sachen :-))

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