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Blogparade „Auf Augenhöhe“ – Männer & Frauen im Haushalt

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Sind Männer evolutionäre Irrläufer, wenn es um den familiären Haushalt geht? Sind Frauen geduldiger, weil sie den Kitzel der Mammutjagd nie kennenlernen durften?

Papa-Online hat HIER kürzlich teils augenzwinkernd darauf hingewiesen, dass Männer aufgrund ihrer Evolution manches im Haushalt übersähen und seitens der Frau klare Anweisungen bräuchten. Dies wiederum hat Mama-Notes neben offenen Zeilen nur ein müdes Lächeln entlockt.

Sie sagt, diese biologistischen Ansätze, teils ernst-, teils scherzhaft vorgetragen, würden keiner der Seiten gerecht. Nachzulesen HIER. Mittlerweile gibt es dazu auch eine Blogparade mit dem Titel „Auf Augenhöhe“ von Chaoshoch2 HIER.

Vorsicht! Die folgenden Zeilen können produktionsbedingt Spuren von Satire enthalten und sind nur bedingt als fruchtvoller Diskussionsbeitrag zu verstehen. Lesen und betreten wie immer auf ganz eigene Gefahr.

Das Höhlen-Ich

Es begab sich zu einer Zeit, als ich noch allein in meiner Höhle gewohnt und wilde Säbelzahntiger domestiziert habe. Pangea. Nur selten habe ich mir Gedanken über den Haushalt gemacht. Wir hatten ja damals nichts. Nicht einmal Geschirr. Nur eine Feuerstelle und einen geschlechtsneutralen Abort im Gemeinschaftszelt. Und manchmal, nach großen Jagdereignissen vielleicht, gab es in der gesamten Höhlenkolonie nicht einzigen Topf mehr aus dem man hätte essen können. Dann war es Zeit für das Joey-Spezial. Oder für eine Mozzarella-Büffel-Pizza mit Käserand. Von Pangeas Pizza Pub. Es waren alles in allem turbulente Zeiten.

Das Haushalts-Ich

In der modernen Welt des Heute ist die Abwasch-und Küchen-Situation ungleich komplizierter. Wenn ich z.B. ein Jack-Fruit-Curry gekocht habe und es auf Instagram niemand faved, ist es dann wirklich passiert? Darf Silberbesteck in die Spülmaschine und falls nicht, wie erkennt man dieses Silberbesteck? Am Glanz? Am Klang? Ich komme aus der Arbeiterklasse, sowas überfordert mich. Wir hatten ja nichts. Nicht mal ’nen silbernen Löffel. Oder gar eine Spülmaschinenverordnung. Nur Pizzakartons in der Stapelhöhe einer Küchentür. Tiefkühlpizzakartons möchte ich hierbei anmerken.

Low-Performance im Haushalt mit Genetik und Evolution zu begründen, das hat durchaus satirischen Charakter, den auch nicht jeder gut heißen muss. Aus offensichtlichen Gründen. Es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern, ob biologisch oder sozial konstruiert. Dies aber am Haushalt festzumachen? Spielen wir einen Moment lang des Teufels Anwalt. Angenommen, wir Männer sind im Haushalt bemitleidenswerte Flachnieten, weil die Evolution in uns eben nur sehr zögerlich wirke. Klar, aus Männern werden Jedi-Ritter, aber hat jemand mal auf dem Todesstern ein Mann putzen sehen? Oder bei den Rebellen? Und wie es im Männerhaushalt des Millenium-Falken aussieht, damit möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Evolution als die Schuldige ist schnell gefunden. Wie bequem.

Das Supermarkt-Ich

Wenn dies stimme und tatsächlich evolutionsbedingt wäre, dann müsste es folgerichtig auch für andere Alltagsbereiche gelten. In deutschsprachigen Landen ist es ist noch kein Jahrtausend her, da hatten Menschen beispielsweise nicht die heute üblichen Nachnamen, sondern Patro- bzw. Metronyme. Man war also Sohn oder Tochter eines anderen. Man kam aus einem Ort oder trug einen bestimmten Titel oder eine Berufsbezeichnung. Johnny aus’m Wedding zum Beispiel. Oder Jesus von Nazareth. Aragorn der Zweite, König von Gondor und Arnor. Fritz von Thurn und Taxis.

Der Gebrauch von festen Nachnamen. Dieser Brauch währt erst seit einigen hundert Jahren. Wie schaffe ich es also als Mann an der Supermarkt-Kasse, mich dieses modernen Nachnamens zu erinnern und viel erstaunlicher, ihn mittels einer weiteren modernen Kulturtechnik, nämlich der des Schreibens unfallfrei auf fremdes Kassenpapier zu bringen? Und das sogar gleichzeitig!

Wenn ich evolutionsblind durch den Haushalt stolziere, dann müsste v.a. die Evolution mich auch an der REWE-Kasse fest im Griff haben. Nicht nur, dass REWE-Kassen Krieg sind, ich müsste immer wieder mal meinen Namen vergessen oder das Schreiben verlernen. Oder das Tüten packen, denn evolutionär betrachtet sind diese Techniken allesamt taufrisch. Auch spreche ich nicht ausschließlich in Grunz- und Knacklauten und suche auch keine Flöhe auf den Häupten meiner Lieben.

Das Sparta-Ich

Was wäre, wäre die Evolution schuld, dass ich als Mann die Grießbreireste im Abwasch nicht sehe? Abgesehen davon, dass etwas, das sich vor mir verstecken kann, als evolutionär intelligenter als ich angenommen werden muss. Was ginge dann also in meinem Kopfe vor?

Als Mann lebe ich seit Jahrhunderten im Kriegszustand. Im Krieg mit den Elementen, im Krieg mit den Wildtieren, im Krieg mit dem Hundegebell der doofen Nachbarn. In diesem Wissen betrete ich die Küche, das unverstandene Schlachtfeld und siehe, der Grießbrei. Ich kann ihn nicht sehen, aber hören kann ich ihn. Er spricht:

Wanderer, kommst Du nach Sparta. Verkündige.. ach, lasset mich in Frieden ruhen!

Ich tue, wie mir geheißen und erweise dem Grießbrei seine letzte Ehre. Drei Salutschüsse, bevor er sich mit seinen Göttern vereint. Und so es das Schicksal will, so werde auch ich eines Tages diesen Gang antreten und mich mit meinen Ahnen vereinen. So wie mein Vater vor mir und dessen Vater und dessen Vater vor ihm. Meine Väter und der Grießbrei. Dann stapfe ich wieder in den Dschungel hinaus.

Der Low-Performer

Moment! Hat die Evolution in mir an diesem Punkt etwa schneller gewirkt? Ich sehe den Grießbrei. Ich finde die Butter, denn die steht gar nicht im Kühlschrank. Auch weiß ich, wo der Wäschekorb steht. Bin ich hochbegabt, ein evolutionärer Irrläufer oder schlimmer: gar eine Frau? Und war die Ex-Freundin, die weder kochen konnte, noch wusste, wie ein Staubsauger funktionierte in Wirklichkeit etwa ein Mann? Also entweder wirkt Evolution nur sehr ausgesucht in den Geschlechtern oder sie wird schlicht als plumpfe Ausrede benutzt.

Nein. Ein Low-Performer im Haushalt wird man nicht, weil man von Mutter und Vater minderwertiges Genmaterial mit auf den Weg bekommen hat. Ein Low-Performer wird man, wenn man sich freiwillig auf eine Evolutionsstufe unterhalb von Grießbrei einordnet. Dann, wenn man es nicht für selbstverständlich hält, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Und das ist kein genetisches Problem mehr, sondern schlichtweg ein soziales.

12 Kommentare

  1. Sehr gern gelesen und das Männeruniversum wie immer nicht ganz verstanden aber niedlich gefunden. Den Griesbrei-Part wiederum fand ich sehr erdverbunden und top. Ich glaube ja auch nicht, dass das mit dem Schrifterwerb vor der umfassenden Welt-Wahrnehmung funktioniert. :)

  2. Danke für diesen klaren Beitrag! Ich werde von nun an allen Männern, die sich der hinter der Evolution verstecken mit Freude verkünden, dass sie sich unterhalb von Grießbrei einordnen!

    Liebe Grüße
    Julia

  3. Endlich hab ich viele gute Beispiele um gegen das „Evolutionsargument“ zu antworten…
    Scheint unter manchen Männern nämlich eine Dauerausrede zu sein…

    LG
    Daniela

  4. Pingback: Das Bloggen der Anderen (29) | Familienbetrieb

    • Ich freu mich über das Lachen! Schon hier und da habe ich gehört, dass man bei mir einen roten Faden vermisse oder das ich abschweife. Ich arbeite dran.. auch wenn die Gemeinsamkeiten von Grießbrei und Sparta nun wirklich auf der Hand liegen ;D

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  7. silvie sagt

    Das Höhlen Ich klingt wirklich sehr gut. Muss ich mir merken :-) Im übrigen sehe ich oft die Essensreste meines Mannes auf dem Teller und er stellt dies nicht sofort in die Küche :-) „dass ich als Mann die Grießbreireste im Abwasch nicht sehe“ ……. Danke für den guten Beitrag und LG, Silvie :-)

  8. Ein wirklich ernsthaft gut formulierter Beitrag den man sich vielleicht auch zweimal durchlesen sollte um die message richtig zu verstehen! In diesem Sinne errinnert mich auch so manches an meinen eigenen Alltag !!!

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