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37 Grad Beitrag „Schlaflos durch’s erste Jahr“

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Im Rahmen der ZDF-Reihe „37 Grad“ steht derzeit der Beitrag „Schlaflos durch’s erste Jahr. Das Abenteuer Eltern zu werden“ von Iris Bettray in der Mediathek bereit. Für Väter bieten die 43 Minuten viel Bekanntes, für Nicht-Väter wie auch Nicht-Eltern aber sind sie erstaunlich gut geeignet.

Zwei frische Elternpaare, einmal ein Kind, einmal mit Zwillingen. Beide Familien wurden ein Jahr lang medial begleitet und deren emotionales Auf und Ab im Alltag seit der Geburt dokumentiert. Die Protagonisten beschreiben im Interview ihre jeweilige Situation und werden aus dem Off ergänzend kommentiert. Als frischer Vater fallen mir vor allem die klischeehaften Aussagen der männlichen Parts auf. An manch Stellen aber möchte ich Ihnen wiederum zurufen:“Ja genau! So isses! SO ISSES!“

Vereinbarkeit und Alltag als Vater

Aber: Wenn ein Mann sagt, er sei frischer Vater und arbeite täglich bis zu 14h, dann fällt es mir bei allem nötigen Respekt erst einmal schwer zu verstehen, wieviel Vatersein noch in solch einen Tag passen soll? Allein schon aus zeitlichen Erwägungen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht glaube, dass derjenige nicht versucht, sich in der Vaterrolle zu finden. Leicht ist es ohnehin nicht. Es ist und bleibt das leidige Thema Vereinbarkeit. Dass der Vater wie in der Reportage für das Baby indes nicht unbedingt Lieblingsmensch ist, ist zwar nicht wünschenswert, aber auch nicht ganz unwahrscheinlich. Überspitzt formuliert.

Lieblingsmensch. Ja, das Thema kommt mir bekannt vor. Häufiger ergibt es sich, dass die Kleene sich von mir partout nicht trösten lassen, geschweige denn, bei mir bleiben will. Und das, obwohl ich im Gegensatz zu den meisten Vätern wohl sehr viel Zeit zu Hause verbringe. Mal bin ich dann geduldiger mit der Kleenen, mal bin ich das weniger. Es würde mir bloß im Leben nicht einfallen, meiner Freundin den Vorwurf zu machen, sie sei eine Übermutter. So in der Reportage geschehen. Als Nicht-Alltagsvater 14h außer Haus sein und dann kritische Erziehungstips an die eigene Frau verteilen? Kann man machen, kann man aber auch lassen. Auch und vor allem, wenn man gerade dabei gefilmt wird. Vatersein ist nicht einfach ein neues Projekt, sondern erfordert von Zeit zu Zeit eine Prise Demut.

Das Vaterklischee-Tier

Manchmal frage ich mich, wo die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten immer wieder dieses Reservoir klischeehafter Väter auftun. Bis es mir dämmert. In freier Wildbahn gibt es wohlmöglich sehr viel mehr dieser Klischeetiere als ich mir vorstellen kann. Wahrscheinlich lebe ich als Blogger nicht nur in einer tag-Blase, sondern auch in einer „Moderner Vater“-Blase. Aber kann das sein? Bin ich wirklich modern? Oder fehlt mir einfach die Phantasie? Was soll das überhaupt sein, dieses „modern“? Das ist bestimmt auch nur eine dieser „modernen“ Erfindungen.

Wahrscheinlich aber hat das ZDF recht. Man kann als ZDF nur das abbilden, was die Mehrheit bereits hergibt. Vielleicht sollten alle Väterblogger einfach gemeinsam eine Fernsehanstalt gründen. So wie Oprah damals. Oder sie gründen einen Verlag und rollen das Feld von hinten auf. Der lange Marsch durch die Kinderzimmer. Vorsicht, Lego! Oder besser: durch die Chefetagen. Hinfort, hinfort und zwar sofort! Väterblogger scheinen ja alle von ähnlichem Schlage zu sein. Bis auf wenige Ausnahmen wohl.

Fazit

Als Elternteil ist dieser TV-Beitrag jedenfalls Zeitvertreib, der ohne große Dramatik oder Komik dahin geht. Ausgenommen die Impfszene. In der sitzt Dramatik pur. So will es das Gesetz. Wer ansonsten schnell Puls hat, sollte v.a. beim Einlingvater nicht immer so genau hinhören. Es sei denn, es wird noch Negativ-Material für einen Artikel über Väter-Vereinbarkeit benötigt. Als des Teufels Anwalt und ohne den Einlingvater persönlich zu kennen, vermute ich trotz gegenteiliger Aussagen, dass er sich selbst noch nicht so recht in seiner Rolle gefunden hat. Das ist ohnehin verdammt schwer, deswegen soll das auch gar kein Vorwurf sein. Und wohlmöglich hat die Kamera in seinem Gesicht auch nicht unbedingt zum Findungsprozess beigetragen.

Wer hingegen noch kein Kind sein eigen nennt, bekommt in 43 Minuten schlaglichtartig ein durchaus realistisches Bild vom ersten Jahr mit Kind bzw. Zwillingen. Alles kann, nichts muss. Jedes Baby und jede Mutter, jeder Vater ist anders. Elternsein bedeutet nunmal nicht immer nur Sonnenschein und Pommes-Schranke. Fallen und Entgrenzeung lauern an jeder Ecke. Und genau dies vermittelt der Beitrag streckenweise wirklich gut. Prädikat: Ah joa, kann man mal machen, ne.

„Schlaflos durch’s erste Jahr“ von Iris Bettray (ein Schelm, wer dabei böses denkt) in der ZDF-Mediathek:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2341196/Schlaflos-durchs-erste-Jahr

2 Kommentare

  1. Resi sagt

    Danke für Deinen treffenden Kommentar zu dieser Reportage.
    Ich konnte aber auch viele Kommentare der Mütter kaum aushalten. Z.B. die Zwillingsmama, die immer rumheult ihre Babies seien in der Entwicklung verzögert, aber dann sieht man die beiden ständig in diesen Babyschalen liegen in denen sie natürlich wenig Muskelkraft und Koordination aufbauen können…
    Ich habe mich dann auch gefragt, ob ich in einer Blase lebe und die meisten Eltern so denken… Erschreckender Gedanke!

    • pia sagt

      Schreckliche Reportage,hab sie mir gestern angesehen.Ich selbst bin auch Mama von 10 monatigen eineiigen Zwillingsjungs, würde mich jedoch nicht mit diesen zwei Elternpaaren identifizieren (wollen). Aber eins sei trotzdem zu der Dame die vor mir einen Kommentar abgegeben hat zu sagen. Erstens sind die zwei Mädels nur zwei mal in den Babyschalen zu sehen. Zweitens kann diesen Kommentar nur eine Einlingsmama posten denk ich, denn jede Zwillingsmama kann das sonst nachvollziehen, dass Zwillinge auch mal in Wippen oder Schalen sitzen-man hat nämlich nicht drei Hände!!!Drittens glaub ich kaum das deswegen Koordination und Muskelkraft leiden,sondern weil’s eben Frühchen sind/waren….und wenn wir schon bei dem Entwicklungsstand Blödsinn sind: Jedes Kind ist anders und entwickelt sich anders.Meine Zwillinge krabbeln, stehen und versuchen schon allein zu gehen und sind noch nicht mal ein Jahr….jedes Kind ist anders und das ist gut so. Das Problem liegt hier doch bei den Eltern die sich verrückt machen und nicht bei den Kindern….in diesem Sinne- leider keine sehr gut gelungene Reportage…

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