Bilderserie, Papa-Blog
Kommentare 3

12von12 im August: 12 Eisdielen im Wedding

IMG_1373

Jeder Mann braucht eine Herausforderung. Manche von uns boxen gern mal auf Rinderhälften im Kühlhaus ein, andere wiederum stürzen sich für ein Duschgel von der Klippe. Alles schon mal da gewesen, alles schon mal gemacht. Ich hingegen habe etwas anderes vor. Die Notfalldecke gefaltet, den Plastiklöffel der Tochter eingepackt, stelle ich mich hier und heute meiner ganz persönlichen Challenge. Ich tue etwas, was vor mir noch kein anderer Mann oder Vater in der Geschichte des Bezirks jemals gewagt hat: Heute werde ich in 12 verschiedenen Eisdielen im Wedding ein Eis essen. Erwachsensein hat eben doch auch seine Vorteile. 

In den letzten Wochen habe ich ja schon ausgiebig trainiert, doch leider weiß man natürlich immer erst am Tag des Wettkampfs, ob es denn auch wirklich gereicht hat. Ist das schon Wahnsinn oder ist es genial? Das werden die Sanitäter vor Ort wohl entscheiden müssen. Fakt ist: Heute ist der 12. des Monats. Das bedeutet, ihr werdet mich auf meiner heutigen challenge begleiten. Mein „12von12“ im August: 12 Eisdielen im Wedding besuchen! Viel Spaß..

 

IMG_1364

Den Anfang macht das Eicafé Kibo auf der Transvaalstraße 13. Mittlerweile eine kleine große Institution im eigentlich noch immer verschlafenen Afrikanischen Viertel. Ich bin guter Dinge, wundere ich mich aber ob der Rosinen in meinem hausgemachten Buttermilch-Sanddorn-Eis. Nun ja. Die Kugel ist mit 1 Euro voll im Schnitt. Solider Start, ich fühle mich gut. Ich habe das Gefühl, es war ein gesundes Eis. Nach dem Eis noch ein, zwei Dehnübungen, um fit zu bleiben und schon geht’s weiter.

Edit: Die vermeintliche Rosine war mitnichten eine Rosine, sondern in Wirklichkeit eine Sanddornbeere. Vielen Dank, Peter, für die Aufklärung. Damit wäre auch meiner Verwunderung genüge getan.

 

IMG_1365

Als nächstes besuche ich das Bellissimo auf der Müllerstraße 122b. Dort nebenan stand einst die Müllerhalle bis sie abgerissen wurde. Dem Eisladen scheint diese gravierende Veränderung aber keinen sichtbaren Nachteil gebracht zu haben. Leider ist der Besitzer gerade nicht vor Ort, denn der macht aus jeder Bestellung ein wahres Fest der Freundlichkeit. Ich entscheide mich für ein Kokoseis für 90 Cent, schließlich ist es noch zu früh für irgendwelche Experimente. Das Geschäft scheint sich auf die Kleinsten spezialisiert zu haben, denn meine Kokoskugel kann sich kaum in ihrer Miniwaffel festhalten.

 

IMG_1366

Der Eisstand der Bäckerei Kiran in der Müllerstraße 54, fast in Sichtweite zum Bellissimo. Die Waffel naja und in meinem Schlumpfeis, so kommt es mir vor, scheinen tatsächlich echte Schlumpfreste zu stecken. Was anderes will ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Mir wird ein klein wenig übel und ich weiß nicht, ob ich meine Eis-Challenge noch durchstehen kann. Habe ich mir vielleicht doch zu viel zugemutet? 1 Euro ist jedenfalls viel zu viel für ein industriell gefertigtes Eis, dass bereits in der Kühltruhe Anzeichen von Schmelzen zeigt. Ob es wirklich eine gute Idee war, so viel Eis zu essen?

 

IMG_1368

Grummelig und überhaupt nicht schlumpfig, nehme ich mir das Cafe Haus auf der Müllerstraße 135 vor. An der Ecke Seestraße gibt es hier für mich für 90 Cent eine Kugel Mandel-Krokant-Eis. Erster Kontakt: Ja, kann man machen. Wahrscheinlich ist’s aber ein Mandel-Karamell-Eis, aber das verrate ich an diesem besonderen Tag lieber keinem. Ich lutsche an meinen Karamellstückchen und freue mich – versuche es wenigstens. Ich merke aber auch so langsam, wie sich mein Körper beginnt zu fragen, ob er heute überhaupt noch etwas anderes vorgesetzt bekommt? Ich darf aber nicht aufgeben!

 

IMG_1369

Ich fahre zum Handtuch. Handtuch? Ja, so heißt das schmalste Haus auf der Müllerstraße, Nummer 157. Dort gibt es seit Urzeiten schon das Eishaus Silvio da Col. An heißen Sommertagen bilden sich hier ganze Schlangen von Eislustigen. Dort war es auch, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben Erdnusseis gegessen habe. Verrückt eigentlich. 1,10 Euro zahle ich für meinen Melonen-Eis. Unter normalen Umständen hätte ich wohl wieder etwas Nussiges genommen, aber der Tag ist noch lang.. ich muss mit meinen Kräften haushalten.

 

IMG_1370

Mohn-Marzipan-Eis. Eines, meiner absoluten Eisheiligen. Richtig genießen kann ich es aber leider nicht, was nicht am Eis, sondern an der Menge von Eis liegt, mit der ich bereits meinen Magen gefüllt habe. Ich bin in der Kleinen Mensa, Triftstraße 58 im Sprengelkiez. Klein ist das Café und niedlich, der Kuchen dort grandios. Warum aber ausgerechnet an der Waffel so arg gespart wird? Fast flutscht sie mir durch meine Arbeiterklassenfinger. Bestenfalls Kleinkinderhände wissen mit dieser Art Minipappwaffel umzugehen.

 

IMG_1371

Nach dem Tiefschlag in Form des hoffentlich vegetarischen Schlumpfeises, kommt mit der Little Kitchen auf der Torfstraße der nächste Wirkungstreffer. Ich taumel gen Ringecke. Das gleiche Industrieeis wie in der Kiran-Bäckerei. 1 Euro für eine Kugel der Sorte Amarena-Kirsch – ohne Waffel, denn die gibt es im in der kleinen Küche nicht. Ich nehme pflichtbewusst zwei Löffel von der Kugel, bevor ich Halt mache und Rest den nächstbesten Kindern in die Hand drücke, sprich: es verschenke. Mehr muss man an dieser Stelle, an diesem Tag nicht wissen. Mein Magen applaudiert gerade noch lauthals, als mir unverhofft der Duft von Pommes in die Nase steigt.. Oh, süßer Pommesduft, Du.. Nein! Ich muss jetzt ganz, ganz tapfer sein! Ich bin ein Star, holt mich…….

 

IMG_1372

Ich spüle den Frust und die Pommesgelüste mit einem geschmacksintensiven Zitronen-Zimt-Eis den Ganges hinunter. Das Schoko & Luise auf der Fehmarner Straße 20, ebenfalls im Sprengelkiez gelegen hilft mir dabei. 1,20 Euro ist es mir allemal wert. Viele schöne und interessant klingende Kreationen, aber ich kann eben nicht alles ausprobieren, schließlich habe ich eine Mission zu erfüllen.

 

IMG_1373

Endlich wieder im eigenen Kiez bei meinem Stamm-Eisdieler: Kelly’s Eis & Espresso in der Togostraße 4. Heute gibt es zum ersten Mal Nutella-Eis. Ich bin versöhnt und kotze mich erst einmal bei Kelly höchstpersönlich aus. Was man als Eisliebhaber im Wedding so alles mitmachen muss. Ach Nein, das ist jammern auf hohem Niveau. Fast überall findet man selbstgemachtes Eis und es schmeckt fast überall wirklich gut. Alles eine Frage des Geschmacks. Außer bei Nutella-Eis, das schmeckt ja bekanntlich jedem.

 

IMG_1377

Nach Rücksprache mit dem medizinischen Fachpersonal, lege ich eine kleine Pause ein. Bevor all das Eis mein Hirn einfriert oder in meinem Kopf der gefährliche Gefrierbrand festgestellt werden muss. Später geht es dann frischen Mutes und mit Sack und Pack ins Pinoglino in der Malplaquetstraße 42. Es gibt Schoko-Erdnuss-Eis für 1 Euro. Ja, ich traue mich wieder etwas. Ein Hund trinkt Wasser aus einem Glas und die Wespen scheinen hier ebenfalls Gefallen gefunden zu haben. Zurecht, denn das Eis ist wirklich ordentlich, auch wenn die Kugel wirklich schnell verschleckt ist.

 

IMG_1382

Beinahe den Schlusspunkt setzt die Eismanufaktur in der Maxstraße 11. Allerhand ausgefallene Eissorten, die ich sonst nur noch in der Schoko & Luise erwarten würde. Nach etwas Zaudern und Verwirrung, entscheide ich mich vollen Mutes für die Sorte Matcha (Grüntee) – sehr zum Mißfallen meiner Tochter, die nämlich unbedingt mitschlecken will. Leider ist das Eis zu bitter für sie. Es kommt zum Disput. Für 1,20 Euro kann man es aber ruhig mal drauf ankommen lassen, denke ich noch. Mir ist an diesem Punkt sowieso schon alles egal, muss ich gestehen. So frohen Mutes ich eben noch schien, bin ich sofort wieder im challenge-Programm. Ich bin ein Eisroboter. Man halte mir irgendein Eis in einer Waffel hin und ich werde es essen.

 

IMG_1383

Und zu Guter letzt: Home sweet home! Es geht doch nichts über ein hausgewachsenes Wassereis auf dem heimischen Balkon. Keine Experimente, keine Wespen und die Füsse schön in die kalte Wasserwanne getaucht (leider nicht im Bild). Das Wassereis hat zwar eine bedeutend kürzere Halbwertszeit als eine Kugel Eis, ist aber mit 20 Cent auch ein Vielfaches kostengünstiger.

Was für ein Tag. Ob ich es bereue, so viel Eis an einem Tag gegessen zu haben? Auf gar keinen Fall! Doch wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen, ich muss jetzt Pommes kaufen gehen! Und Pizza! Und dann Pizza mit Pommes belegen. So will es das Gesetz!

Johnny

3 Kommentare

  1. Was für eine grandiose Idee! Respekt, vor deinem Magen, der das durchgehalten hat ;) Ich kann so schon nie mehr als allerhöchstens 2 Bällchen essen :D
    Liebe Grüße aus München
    Carla

  2. Hallo Johnny,

    danke für das spannende Abenteuer durch den Wedding ohne Rücksicht auf Leib und Seele! Eine kleine Anmerkung: Im Buttermilch-Sanddorn-Eis sind Sanddorn-Beeren. Rosinen verwenden wir dafür nicht, weshalb auch keine in dieser Sorte zu finden sind!

    Viele Grüße

    Peter vom Eiscafé Kibo

  3. Pingback: Der musikalische Adventskalender 2015 – Tag 7: ‚Title and registration‘ von Ben Gibbard (vorgestellt von ‚Weddinger Berg‘) | Familienbetrieb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.